Ärzte Zeitung online, 28.11.2008

Bewegung - das Beste bei KHK plus Depression

Erhöhtes Infarktrisiko bei Komorbidität ist auch Folge geringer Aktivität

HAMBURG (ars). Patienten zum Sport zu ermuntern ist immer gut - besonders aber könnte das jenen mit KHK und depressiven Symptomen zugute kommen. Diese Hoffnung weckt eine Studie, wonach ihr erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse hauptsächlich auf Bewegungsmangel zurückgeht.

Bewegung - das Beste bei KHK plus Depression

Nicht sitzen, sondern laufen heißt die Devise.

Foto: Lisa F. Young©www.fotolia.de

Gesundes Verhalten sei für diese Gruppe doppelt wichtig, sagte Ko-Autor Privatdozent Christian Otte zur "Ärzte Zeitung". Sport sei ja nicht nur günstig fürs Herz, sondern hebe auch die Stimmung. "Das wiederum ist die Voraussetzung, dass eine Aufwärtsspirale zu mehr Aktivität angekurbelt wird", so der Psychiater aus Hamburg.

Aber wie gelingt das bei einer Krankheit, deren Kennzeichen doch gerade Antriebslosigkeit ist? Mit einer Taktik der kleinen Schritte, rät Otte: einem Training in überschaubaren Einheiten, also anfangs bloß ein Spaziergang. So stelle sich ein Erfolgserlebnis ein ("Ein bisschen geht ja doch noch"), das zur Wiederholung motiviert. Um gar nicht erst in den Teufelskreis zu geraten, sollten KHK-Patienten früh mit Sport beginnen, denn jeder Fünfte erkranke im Verlauf an einer klinischen Depression. Jedoch vernachlässigen sie nach Erhebungen Sport noch mehr als der Durchschnitt der Bevölkerung.

In der Studie kam es jährlich bei 6,7 Prozent der etwa 800 Teilnehmer mit stabiler KHK, aber ohne Depression zu kardiovaskulären Ereignissen, jedoch bei 10 Prozent der rund 200 KHK-Patienten mit depressiven Symptomen. Das bedeutet: ein um 50 Prozent erhöhtes Risiko bei Komorbidität. Zwei Drittel davon gehen auf das Konto von Bewegungsmangel, der Rest zulasten von vermehrtem Rauchen und schlechterer Medikamenten-Compliance.

Ermittelt haben die Forscher das über fast fünf Jahre mit Echokardiografie, Fragebögen und Interviews (JAMA 300. 2008, 2379).

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