Ärzte Zeitung online, 15.09.2009

Leberprotein Fetuin-A beeinflusst direkt das Risiko für Herzinfarkt

POTSDAM-REHBRÜCKE (eb). Eine Auswertung genetischer Daten von 2520 Erwachsenen spricht dafür, dass der Fetuin-A-Spiegel im Blut das Herzinfarktrisiko direkt beeinflusst. Bereits vor kurzem hatten Forscher nachgewiesen, dass sich anhand des Fetuin-A-Spiegels das Herzinfarktrisiko vorhersagen lässt. Bei Fetuin-A handelt es sich um ein ins Blut abgegebenes Leberprotein.

Teams um Dr. Eva Fisher vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) und Privatdozent Norbert Stefan von der Universität Tübingen hatten einen neuen Biomarker identifiziert, mit dem sich das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorhersagen lässt.

Forscher um Dr. Cornelia Weikert vom DIfE klärte daraufhin, ob Fetuin-A lediglich als ein Marker für den Herzinfarkt zu verstehen ist oder das Risiko sogar ursächlich mit beeinflusst. Dafür untersuchten die Wissenschaftler verschiedene Gene (Circulation: Cardiovascular Genetics, online vorab).

Grundlage für diese Analysen bildeten die Daten der Potsdamer Studie "European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition" (EPIC). In EPIC werden die Zusammenhänge zwischen Ernährung und Erkrankungen untersucht. Die Forscher werteten dafür die Daten von insgesamt 2520 Studienteilnehmern aus. In der Beobachtungszeit von durchschnittlich acht Jahren bekamen 214 der Teilnehmer erstmals ein Herzinfarkt.

Die Wissenschaftler untersuchten fünf natürliche Varianten des Fetuin-A-Gens bezüglich ihrer Effekte auf die Fetuin-A-Konzentration im Blut und auf das Infarktrisiko. Sie konnten zeigen, dass diese Varianten die Höhe des Fetuin-A-Spiegels beeinflussen, wobei die C-Variante-rs4917 den stärksten Effekt aufwies. Je nachdem, ob ein Studienteilnehmer nur eine oder zwei Kopien dieser Genvariante von seinen Eltern geerbt hatte, erhöhte sich allein hierdurch sein Fetuin-A-Wert um zusätzliche 35,5 beziehungsweise 71 μg / ml. Ebenso wirkte sich diese Variante direkt auf das Herzinfarktrisiko aus. Statistisch betrachtet stieg mit jeder Kopie dieser Variante das Risiko um 34 Prozent.

"Unsere Ergebnisse sprechen dafür, dass ein kausaler Zusammenhang zwischen dem Fetuin-A-Gen, der Fetuin-A-Menge im Blut und dem Risiko für einen Herzinfarkt besteht. Ein erhöhter Fetuin-A-Spiegel könnte daher ähnlich wie ein zu hoher Cholesterinspiegel das Herzinfarktrisiko direkt steigern. Damit wäre es auch denkbar, das Herzinfarktrisiko zu senken, indem man die Fetuin-A-Werte im Blut vermindert", so Weikert in einer Mitteilung des DIfE.

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