Ärzte Zeitung online, 04.08.2010

Hohes Cholesterin mit 25: Mehr Koronarkalk mit 45

BIRMINGHAM (ob). Wer als junger Erwachsener abnormale Bluttfettwerte aufweist, unterliegt einem erhöhten Risiko, dass schon etwa zwei Jahrzehnte später - also im mittleren Lebensalter - deutliche Kalkablagerungen in den Koronararterien vorhanden sind.

Hohes Cholesterin mit 25: Mehr Koronarkalk mit 45

Massive Stenose bei einer verkalkten Koronararterie (3D-Rekonstruktion aus CT-Untersuchung) - wer als junger Erwachsener erhöhtes Cholesterin hat, hat wenige Jahre später ein erhöhtes Risiko für Koronarkalk.

© Uniklinik Erlangen

Einen solchen Zusammenhang belegen US-Forscher um Dr. Mark J. Pletcher aus Birmingham/Alabama jetzt mit neuen Daten einer großen prospektiven Kohortenstudie (CARDIA, Coronary Artery Risk Developement in Young Adults).

In diese Studie sind in den Jahren 1985 und 1986 insgesamt 3258 Teilnehmer im Alter zwischen 18 und 30 Jahren aufgenommen worden. In den folgenden 15 bis 20 Jahren ist bei diesen Personen wiederholt das Lipidprofil (LDL- und HDL-Cholesterin, Triglyzeride) bestimmt worden. Die Ergebnisse zur kumulativen "Lipidbelastung" in dieser Zeit sind dann in Relation zu den Ergebnissen einer computertomografischen Koronarkalk-Messung gesetzt worden, die bei den Teilnehmern im Alter von etwa 45 Jahren vorgenommen wurde (Ann Intern Med 2010; 153: 137).

Als junge Erwachsene hatten immerhin 87 Prozent aller Teilnehmer ein als suboptimal eingestuftes Lipidprofil (LDL-Cholesterin > 100 mg/dl oder HDL-Cholesterin < 60 mg/dl oder Triglyzeride > 150 mg/dl). Vor allem für das LDL-Cholesterin stellten die Forscher eine klare graduelle Beziehung zur Koronarkalk-Entwicklung zwei Jahrzehnte später fest.

So hatten in der Subgruppe mit optimalen LDL-Cholesterinwerten (< 70 mg/mg) nur 8 Prozent der Teilnehmer später nachweisbare Kalkablagerungen in den Koronarien. Unter den Studienteilnehmer mit deutlich erhöhtem LDL-Cholesterin (> 160 mg/dl betrug der Anteil mit kalzifizierten Koronargefäßen dagegen 44 Prozent.

Das HDL-Cholesterin stand in inverser Beziehung zur Koronarkalk-Entwicklung, für die Triglyzeridspiegel fand sich dagegen keine Assoziation.

Noch befinden sich die Studienteilnehmer in einem Alter, in dem kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkt oder Schlaganfall relativ selten sind. Die Daten der CARDIA-Studie können deshalb noch keine Auskunft darüber geben, ob aus der erhöhten Rate an koronaren Kalkablagerungen auch tatsächlich eine erhöhte Rate an kardiovaskulären Ereignissen resultiert. Allerdings gibt es Daten aus anderen Studien, nach denen den Nachweis von Koronarkalk prädiktiv für entsprechende Ereignisse in der Zukunft ist.

Pletcher und seine Kollegen schließen aus ihren Ergebnisse, dass der Beginn der Atherosklerose-Entwicklung im späteren Lebensalter unter anderem schon in "suboptimalen" Lipidveränderungen bei jungen Erwachsenen zu suchen ist. Das stützt nach ihrer Ansicht einmal mehr die Empfehlung, schon in jungen Jahren auf eine gesunde Ernährung, viel Bewegung und ein normales Köpergewicht zu achten.

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