Ärzte Zeitung online, 11.08.2010

Fällt die Tagestemperatur, steigt das Herzinfarktrisiko

LONDON (ob). Wenn es draußen kälter wird, steigt die Zahl der Herzinfarkte. Mit jeder Abnahme der Tagestemperatur um ein Grad nahm das Risiko, in nächster Zeit einen Myokardinfarkt zu erleiden, relativ um zwei Prozent zu, so die Beobachtung in einer aktuell publizierten Studie. Hitze ließ das Risiko hingegen nicht ansteigen.

Fällt die Tagestemperatur, steigt das Herzinfarktrisiko

Null Grad Celsius - besser warm anziehen, sonst könnte das Herzinfarkt-Risiko steigen.

© UPI Photo / imago

Mit dem Ziel, mögliche kurzfristige Effekte von Temperaturänderungen auf die Inzidenz von Herzinfarkten aufzudecken, haben Londoner Forscher die in einem nationalen Register gespeicherten Krankendaten von 84 010 Patienten ausgewertet. Sie alle waren im Zeitraum zwischen Januar 2003 und Dezember 2006 in 15 städtischen Ballungsgebieten in England und Wale mit akutem Myokardinfarkt in eine Klinik eingeliefert worden.

Gestützt auf eine Fülle meteorologischer Daten verschaffte sich das Forscherteam um Dr. Krishan Bhaskaran zudem ein genaues Bild insbesondere von den regionalen Tagestemperaturen und ihren Änderungen. Im Untersuchungszeitraum bewegten sich die mittleren Tagestemperaturen zwischen - 3 Grad Celsius und 27 Grad Celsius. Um einen Einfluss anderer für den Herzinfarkt relevanter Faktoren auf das Analyseergebnis auszuschließen, wurden auch Daten etwa zur Luftverschmutzung und Influenza-Ausbreitung für die Adjustierung herangezogen.

Ergebnis: Jede Reduktion der mittleren Tagestemperatur um ein Grad Celsius war mit einer Zunahme des relativen Risikos für einen Myokardinfarkt um zwei Prozent im Zeitraum der folgenden 28 Tage assoziiert, berichten die Forscher (BMJ 2010;341:c3823). Am stärksten war diese Assoziation in den ersten zwei Wochen nach Temperaturabfall.

Personen im höheren Lebensalter (74 bis 85 Jahre) sowie Patienten mit vorbestehender Koronarerkrankung schienen dabei besonders anfällig für kälteassoziierte Herzinfarkte zu sein. Dagegen war die Einnahme von Acetylsalicylsäure mit einer Risikoreduktion assoziiert.

Eine entsprechende Beziehung zwischen steigenden Temperaturen und dem Infarktrisiko wurde nicht beobachtet.

Obwohl die mit einem Temperaturrückgang assoziierte Zunahme des relativen Herzinfarktrisikos gering erscheinen mag, könnte sie, was die absolute Zahl der Infarktereignisse betrifft, von substanziellem Ausmaß sein, so die Studienautoren. Sie schätzen auf Basis ihrer Daten, dass ein Temperaturabfall um ein Grad Celsius allein im Vereinigten Königreich in den folgenden vier Wochen mit rund 200 zusätzlichen Myokardinfarkten pro Tag einhergeht.

Nach ihrer Ansicht könnte es sinnvoll sein, speziell für Risikogruppen ein Frühwarnsystem zu installieren. Damit könnten, gestützt auf Daten der Wetterdienste, gefährdete Personen etwa telefonisch über drohende Temperaturveränderungen informiert und auf präventive Verhaltensmaßnahmen bezüglich warmer Kleidung, Heizung der Wohnung und Aufenthalt im Freien hingewiesen werden.

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