Ärzte Zeitung online, 19.08.2010

Unter Bauchfett leidet auch das Endothel

Schon ein wenig Bauchfett ist schlecht fürs Endothel. Ärzte sollten daher mehr auf den Bauchumfang als auf den Body-Mass-Index achten.

Von Michael Hubert

Unter Bauchfett leidet auch das Endothel

Mehr auf den Bauchumfang als den BMI achten: Ein hoher Anteil an viszeralem Fettgewebe lässt die Endothel-Funktion abnehmen.

© Ljupco Smokovski / fotolia.com

ROCHESTER. 43 gesunde Teilnehmer haben Forscher der Mayo-Klinik für ihre Studie gewonnen. Das mittlere Alter lag bei 29 Jahre. Die Teilnehmer wurden in zwei Gruppen aufgeteilt. Gruppe 1 wurde aufgefordert, innerhalb von acht Wochen vier Kilogramm Gewicht zuzulegen. Gruppe 2 sollte ihr Körpergewicht halten. Zu Beginn und nach acht Wochen wurde die Fluss-assoziierte Dilatation (FMD) an der Brachialis-Arterie bestimmt.

Beide Gruppen erreichten ihr jeweiliges Studienziel. Die Teilnehmer in Gruppe 1 legten 4,1 kg an Körpergewicht zu (JACC 2010; 56: 662). Dabei erhöhte sich, wie zu erwarten, auch die Körperfettmenge - und zwar sowohl insgesamt, viszeral und subkutan. Das hatte auch Einfluss auf die Endothelfunktion: Die FMD an der Brachialis-Arterie nahm von 9,1 auf 7,8 Prozent ab. Die FMD ist bekanntlich ein Parameter für die Endothelfunktion. Und ein schlechter Zustand des Endothels ist mit einem erhöhten Risiko für KHK und kardiovaskuläre Ereignisse verbunden.

Für das Endothel ist dabei aber Fettgewebe nicht gleich Fettgewebe: Denn die FMD-Abnahme war nur mit einer Zunahme von viszeralem Fettgewebe verbunden, nicht jedoch mit einem Mehr an subkutanem Fett. "Ärzte sollten bei ihren Patienten genauer hinschauen, wo bei ihnen das Fettgewebe lokalisiert ist", rät Dr. Virend Somers. Der Fokus sollte sich mehr auf den Bauchumfang und weniger auf den BMI richten, empfiehlt der Kardiologe von der Mayo-Klinik. Denn schon gut drei Kilo Bauchfett verschlechtern die Endothelfunktion deutlich.

In einer zweiten Phase speckte Gruppe 1 innerhalb von acht Wochen ihr vorher zugelegtes Gewicht wieder ab. Erneut wurde die FMD bestimmt: Sie lag wieder beim Ausgangswert zu Studienbeginn. "Dieser Befund lässt allerdings keine Schlüsse zu, ob sich der Blutfluss auch dann normalisiert, wenn das Plus an Fettgewebe über mehrere Jahre besteht", warnt Somers. Patienten sollten vielmehr wissen, dass ein dicker Bauch deutlich mehr Risiken berge als einfach nur adipös zu sein. "Die schleichende Gewichtszunahme während des Studiums oder als Ergebnis des Alterns darf auf keinen Fall als normal hingenommen werden", so Somers.

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