Ärzte Zeitung online, 31.08.2010

Neue Daten zu Fischöl nach Herzinfarkt: kein signifikanter Effekt

Neue Daten zu Fischöl nach Herzinfarkt liefert keinen signifikanten Effekt

Von Michaela Barlach

STOCKHOLM. Profitieren Herzinfarkt-Patienten von Fischöl? Nach Daten einer prospektiven Vier-Jahres-Studie konnte ein signifikanter Effekt nicht nachgewiesen werden. Das liege möglicherweise an der gleichzeitigen Einnahme von Statinen, kommentierten die Forscher.

An der niederländischen placebokontrollierten, randomisierten, prospektiven Alpha-Omega-Studie zur Überprüfung der Wirksamkeit einer Fischöltherapie bei 4837 Herzinfarkt-Patienten beteiligten sich 32 Kliniken. Die Herzinfarkt-Patienten waren zwischen 60 und 80 Jahre alt und hatten im Schnitt einen vier Jahre zurückliegenden Myokardinfarkt.

Sie erhielten im Studienzeitraum von 40 Monaten in vier Gruppen eine geschmacksneutrale Margarine mit entweder 400 Milligramm täglich Eicosapentaensäure (EPA) plus Docosahexaensäure, 2 Gramm täglich Alphalinolensäure (ALA), alle drei Substanzen oder Placebo.

Fast alle Studienteilnehmer erhielten die medikamentöse Standardbehandlung nach Herzinfarkt mit Antihypertensiva (90 Prozent), Antithrombotika (98 Prozent) und Lipidsenkern (86 Prozent). Primärer Endpunkt war ein Herzinfarkt oder eine kardiologische Intervention (PCI) oder ein kardiochirurgischer Eingriff (CABG).

Die Einnahme von EPA-DHA allein oder mit ALA bot keinen Vorteil in diesem Endpunkt verglichen mit den Patienten, die ALA allein oder die Placebo-Margarine täglich 40 Monate lang gegessen hatten. Die Forscher kommentierten, dass eine mögliche Erklärung für das negative Ergebnis die Häufigkeit der Statinbehandlung anzusehen sei.

Im Gegensatz zu Alpha-Omega hatte in GISSI-Prevenzione das Fischöl zu einem günstigen Ergebnis nach Herzinfarkt geführt. In GISSI-Prevenzione bekam allerdings nur jeder zweite Studienteilnehmer Statine.

"Diese konzeptionell wichtige Alpha-Omega-Studie zu Fischöl bei Patienten nach Herzinfarkt hat zunächst einmal ergeben, dass man von den epidemiologischen Studien offenbar keine direkten therapeutischen Konsequenzen ableiten darf," sagte Professor Michael Böhm aus Homburg/Saar als erste Einschätzung zur Studie. Epidemiologische Studien ohne zwingende therapeutische Schlussfolgerungen gebe es auch zu Rotwein und anderen Nahrungsmitteln wie Olivenöl, so der DGK-Präsident im Gespräch mit "Cardio News".

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