Mittwoch, 8. Februar 2012
Ärzte Zeitung online, 02.09.2010

Verringerte Heparin-Dosis ist günstig bei elektiver perkutaner Koronarintervention

Verringerte Heparin-Dosis ist günstig bei elektiver perkutaner Koronarintervention

STOCKHOLM (RK). Bei Patienten, die für eine elektive perkutane Koronarintervention (PCI) vorgesehen sind und bei denen der Biomarker Troponin nicht erhöht ist, scheint die geringere Dosis von 100 IU unfraktioniertem Heparin (UFH) günstiger zu sein als die Dosierung von 140 IU, die bereits in klinischen Vergleichsstudien genutzt worden ist.

Die Daten einer solchen Untersuchung beim Heparin hat Dr. Stefanie Schulz vom Deutschen Herzzentrum in München beim ESC in Stockholm vorgestellt. Die gleichzeitig im "European Heart Journal" veröffentlichte Studie ISAR REACT 3A ergab, dass unter der geringen Dosierung vor allem Blutungen (3,6 vs. 4,6 Prozent) vermieden werden. Auch zeigte sich in dieser Patientengruppe im Vergleich mit einem historischen Kollektiv aus vorangegangen Studien, dass UFH dem Bivalirudin nicht unterlegen war.

Im Gespräch mit "Cardio News" wies Schulz darauf hin, dass die Ergebnisse von ISAR REACT 3 A nur auf PCI-Patienten mit negativen Biomarkern zutreffen. Die Patienten in der Studie hatten einen Troponin-Wert unter 0,03 ng/ml. Man könne daraus keine Aussage über alle Patienten mit akutem Koronarsyndrom treffen. In der Studie ergab sich bei Berücksichtigung kardiovaskulärer Ereignisse ein klinischer Nettonutzen von 7,3 Prozent in der Heparin-100-Gruppe im Vergleich zu 8,7 Prozent in der Heparin-140-Gruppe, was statistisch signifikant war.

In den europäischen Leitlinien zum Nicht-ST-Hebungsinfarkt wird unter den Antikoagulanzien das unfraktionierte Heparin als intravenöser Bolus von 60 bis 70 IU pro Kilogramm Körpergewicht empfohlen, gefolgt von einer Infusion mit 12 bis 15 IU pro Kilogramm und Stunde. Nach ihren Angaben wurde in den vergangenen Jahren die UFH-Dosis in der Klinik intuitiv reduziert. Ursache sei die gleichzeitig intensivierte Anti-Plättchentherapie gewesen. "Wir haben mit unserer Studie bestätigt, dass die Wahl einer niedrigen Dosis wie in den Leitlinien schon angeregt auch das richtige Vorgehen ist", sagte Frau Schulz.

Professor Christian Hamm aus Bad Nauheim wies als Kommentator in Stockholm darauf hin, dass eine solche Studie wegen generell schlechter Datenlage zum Heparin per se von Bedeutung sei. Er hob auch hervor, dass er die 100-IU-Dosis immer noch für zu hoch halte. Es müsse geprüft werden, ob hier nicht noch niedrigere Dosierungen verwendet werden könnten.

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