Ärzte Zeitung, 29.11.2010

Weltrekord? Ein KHK-Patient mit 67 Koronarstents

MINEOLA (ob). Eine aktuell publizierte Kasuistik regt zum Nachdenken darüber an, wo eigentlich die Grenzen der kardiovaskulären Medizin liegen.

Weltrekord? Ein KHK-Patient mit 67 Koronarstents

Stents, kleine hilfreiche Metallgitter - aber gleich 67 davon?

© London_England / fotolia.com

Geschildert wird das Schicksal eines 56-jährigen KHK-Patienten, bei dem nach Einlieferung in eine US-Klinik koronarangiografisch ein kompletter Verschluss eines in die Circumflexa eingebrachten Koronarstents festgestellt wird (JACC 2010; 56: 1605).

Wegen dieses Verschlusses erhält der Patient eine neue Gefäßstütze - den sage und schreibe 67. Stent in seiner Krankengeschichte.

In den zehn Jahren zuvor waren bei ihm wegen Angina pectoris 28 koronarangiografische Untersuchungen mit konsekutiver Implantation von Stents in native Koronararterien als auch in drei koronare Bypässe vorgenommen worden.

[29.11.2010, 22:21:01]
Maximilian Micka 
67 Stents
Hat der noch irgendwo eine Stelle an der er keinen Stent hat?
Wird der für seine KHK auch noch anders behandelt außer über Katheter?

Gruß und Kopfschütteln.

M. Micka zum Beitrag »
[29.11.2010, 20:32:31]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Angst vor der eigenen COURAGE?
3-fach ACVB und Stents am Fließband. Das einzig signifikante Ergebnis der Untersuchung ist der übersteigerte Ehrgeiz des Untersuchers.

Seit der COURAGE-Studie wissen wir, dass PCI gegenüber konservativer Therapie auch im Langzeitverlauf keine Vorteile bzgl. der Mortalität bietet. Lediglich die Beschwerden werden bei PCI-Stentung allgemein und speziell beim akuten Koronarsyndrom (ACS) signifikant gemindert.

Ähnliches gilt auch für den Wettstreit zwischen Koronarchirurgie (ACVB) und PCI mit bare-metal oder drug-eluting Stents (BMS und DES). Die Mortalität bleibt unabhängig vom Therapiemodus gleich.

Die COURAGE-Studie war mutig, innovative und mit Fortune. Aber der konservative Therapiearm bei ehemaligen Angehörigen des US-Militärs (Veterans) sah auch strikte und mit Drill befolgte Lebensstilveränderungen vor: Sport, massive Ernährungsmodifikation und
-motivation mit Gewichtsreduktion, Nichtrauchen, Alkokolreduktion bzw. hohe Medikamentencompliance in kontrolliertem Behandlungssetting.

Daran müssen sich unsere Patienten erstmal ein Beispiel nehmen.
Mit kollegialen Grüßen, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund zum Beitrag »

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