Ärzte Zeitung online, 02.12.2010

Statin trotz erhöhter Leberwerte? Aber sicher!

LONDON (ob). Kann ein Statin trotz primär erhöhter Leberwerte bei KHK-Patienten verordnet werden? Auf jeden Fall, meinen die Autoren einer neuen Studie. Deren Ergebnisse sprechen nämlich für einen besonderen Nutzen der Statintherapie gerade bei diesen Patienten.

Statin trotz erhöhter Leberwerte? Aber sicher!

Typisches Sonobild bei Fettleber - häufiger Befund bei erhöhten Leberwerten.

© Dr. Klaus Dirks, www.sonoweb.de

Bei der aktuell publizierten Studie handelt es sich um eine Post-hoc-Analyse von Daten der GREACE-Studie (Lancet 2010 online). In GREACE ist bekanntlich bei 1600 KHK-Patienten primär der Nutzen einer Statintherapie (vorwiegend mit Atorvastatin) im Vergleich zu einer Kontrollgruppe mit "üblicher" Behandlung untersucht worden (wir berichteten).

Die neue Analyse fokussiert auf die Subgruppe der 437 KHK-Patienten, die bereits zu Beginn moderat erhöhte Transaminasen (weniger als das Dreifache der oberen Normgrenze) aufwiesen. Ursache der erhöhten Leberwerte war zumeist eine nicht alkoholisch bedingte Leberverfettung bei Patienten mit Diabetes und/oder Metabolischem Syndrom. Diese Patienten haben ein hohes kardiovaskuläres Risiko, was gerade bei ihnen eine Statintherapie besonders notwendig erscheinen lässt.

In der Studie profitierten diese Patienten denn auch relativ am stärksten von der Statintherapie. Innerhalb von drei Jahren reduzierte die Lipidsenkung bei ihnen das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse signifikant um 68 Prozent (Ereignisrate: 10 Prozent versus 30 Prozent). In der Gruppe der Patienten mit normalen Leberwerten wurde eine Risikoreduktion um 38 Prozent erreicht (14 Prozent versus 23 Prozent).

Hinzu kommt: Bei Patienten mit Statin-Behandlung war im Verlauf der Studie eine substanzielle Verbesserung der Leberwerte zu verzeichnen. In der Kontrollgruppe ohne Statin wurde dagegen ein weiterer Anstieg der Transaminasen beobachtet.

Dr. Ted Bader aus Oklahoma City, der die Studie in einem Begleitkommentar würdigt, stellt plakativ fest: "Statin-induzierte Hepatotoxizität ist ein Mythos". Dennoch bekundeten in einer von ihm zitierten Erhebung bei US-Ärzten viele Kollegen, dass sie mit Blick auf Patienten mit leicht bis moderat erhöhten Leberwerten zurückhaltend bei der Verordnung von Statinen seien. Bis zu 30 Prozent aller Patienten, bei denen ein Statin indiziert ist, könnten unter diese Kategorie fallen, schätzt Bader.

Zur irrtümlichen Annahme einer lebertoxischen Wirkung von Statinen tragen nach seiner Ansicht im Beipackzettel enthaltene Hinweise nicht unwesentlich bei. Bader möchte pharmazeutische Unternehmen dazu ermutigen, eine Streichung dieses Punktes aus der Packungsbeilage zu beantragen.

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