Ärzte Zeitung online, 28.04.2011

Diabetes - nur partiell ein "KHK-Äquivalent"

Diabetes wird als Prädiktor für die kardiale Mortalität oft mit einer manifesten Koronaren Herzkrankheit auf eine Risikostufe gestellt und als "KHK-Äquivalent" eingestuft. Doch die Klassifizierung ist aber vermutlich zu pauschal.

MANNHEIM (ob). Eine 1998 publizierte und seitdem häufig zitierte Studie einer Forschergruppe um Dr. Steven Haffner war zu dem Ergebnis gekommen, dass Diabetiker ohne Koronarerkrankung ein ebenso hohes kardiovaskuläres Risiko haben wie Nichtdiabetiker mit überlebtem Myokardinfarkt.

Die daraus abgeleitete Gleichsetzung von Diabetes und KHK als Risiko-Äquivalente hatte unter anderem zur Folge, dass etwa für die Lipidsenkung mit Statinen für KHK- und Diabetes-Patienten die gleichen niedrigen Zielwerte empfohlen werden.

Allerdings sind auch immer wieder Zweifel an dieser pauschalen Einstufung des Diabetes als "KHK-Äquivalent" laut worden. Diese Zweifel werden durch Ergebnisse einer neuen Studie gestärkt, die Professor Uwe Zeymer aus Ludwigshafen beim DGK-Kongress in Mannheim vorgestellt hat.

Seine Analyse stützt sich auf Daten des großen REACH-Registers, in das allein in Europa zwischen Januar und Juni 2004 mehr als 23 000 Patienten mit atherothrombotischen (koronarer, zerebrovaskulärer, peripherer) Gefäßerkrankungen aufgenommen worden sind. Über drei Jahre wurden bei ihnen alle aufgetretenen kardialen Ereignisse und Revaskularisationseingriffe erfasst.

Für die aktuelle Analyse wurden die Patienten gemäß ihren Basisdaten vier Gruppen zugeordnet: Kein Diabetes, keine KHK (Gruppe 1); Diabetes, kein Herzinfarkt (Gruppe 2); kein Diabetes, überlebter Herzinfarkt (Gruppe 3); Diabetes plus überlebter Herzinfarkt (Gruppe 4).

Bezogen auf die kardiovaskuläre Mortalität erwies sich ein Diabetes mellitus als ähnlich starker Prädiktor wie eine manifeste KHK. Die Rate für die kardiovaskuläre Mortalität war mit 7,0 Prozent versus 6,0 Prozent in Gruppe 2 (Diabetes ohne Herzinfarkt) und Gruppe 3 (Herzinfarkt ohne Diabetes) ähnlich hoch.

Weniger gut war die Vorhersagekraft des Diabetes allerdings für das Auftreten von nicht tödlichen Herzinfarkten und für die Notwendigkeit von revaskularisierenden Eingriffen. Ungeachtet dessen unterliegen Diabetiker ein hohes kardiovaskuläres Risiko, das eine konsequente Behandlung etwa von Bluthochdruck und Dyslipidämie erfordert, betonte Zeymer.

Am stärksten gefährdet waren im übrigen erwartungsgemäß diejenigen Patienten, bei denen sowohl ein Diabetes als auch ein überlebter Herzinfarkt als Risikomerkmale vorhanden waren: In dieser Gruppe betrug die Rate für die kardiale Mortalität 11,5 Prozent.

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