Ärzte Zeitung online, 16.05.2011

Nach Herzinfarkt: Lebensgefahr durch Schmerzmittel

HELLERUP (MUC/eb). Bei Patienten mit Myokardinfarkt in der Anamnese sollten nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) sehr zurückhaltend eingesetzt werden. Schon eine einwöchige Behandlung erhöht ihr Risiko, zu sterben oder einen weiteren Infarkt zu erleiden.

Nach Herzinfarkt: Lebensgefahr durch Schmerzmittel

Genau hinsehen bei NSAR: Bei der Therapie nach einem Herzinfarkt sollten Risiko und Nutzen genau abgewogen werden.

© schlierner / fotolia.com

In einer dänischen Kohortenstudie mit Postinfarktpatienten ging die Einnahme von NSAR bereits nach einer Woche mit einem um 45 Prozent erhöhten Risiko für Tod oder Reinfarkt einher. Nach dreimonatiger Behandlung betrug der Risikoanstieg 55 Prozent (Circulation 2011; 123: 2226).

Eingeschlossen in die Studie waren 83.697 Patienten, die einen Herzinfarkt überlebt hatten und von denen 42,3 Prozent mindestens einmal ein NSAR verordnet worden war.

Am häufigsten handelte es sich dabei um Ibuprofen (23 Prozent) und Diclofenac (13,4 Prozent). Aber auch selektive COX-2-Hemmer (Celecoxib 4,8 Prozent und Rofecoxib 4,7 Prozent) waren verschrieben worden.

"Es gibt kein sicheres therapeutisches Fenster"

Mit Ausnahme von Naproxen erhöhten alle NSAR das Risiko für Tod oder Reinfarkt. Der höchste Risikoanstieg - um den Faktor drei - wurde unter Diclofenac registriert.

"Insgesamt war die NSAR-Behandlung mit einem statistisch signifikanten Anstieg des Sterberisikos assoziiert", sagte die Studienleiterin Dr. Anne-Marie Schjerning Olsen von der Universität Kopenhagen in Hellerup/Dänemark.

"Nach unseren Daten gibt es bei Postinfarktpatienten kein sicheres therapeutisches Fenster für NSAR", so Olsen. Wenn bei diesen Patient eine NSAR-Therapie wirklich notwendig sei, dann sollte so kurz wie möglich und mit einem Wirkstoff mit geringer COX-2-Selektivität behandelt werden.

Auch kardiologische Fachgesellschaften empfehlen, bei Postinfarktpatienten zur Schmerztherapie bevorzugt Nicht-NSAR zu verwenden.

Falls es keine Alternative zu NSAR gibt, sollten diese so niedrig dosiert und so kurz wie möglich eingesetzt werden. Bei Patienten in der Akutphase nach einem Herzinfarkt sind NSAR streng kontraindiziert.

[17.05.2011, 12:52:21]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
NSAR-Problematik
"Mit Ausnahme von Naproxen erhöhten alle NSAR das Risiko für Tod oder Reinfarkt", das ist einer der Gründe, warum ich in meiner Praxis bei NSAR-Bedarf das im anglo-amerikanischen Bereich sehr verbreitete Generikum Naproxen seit vielen Jahren schon am häufigsten verordne.

Es ist wesentlich preisgünstiger als selektive COX-2-Hemmer; kann preislich allerdings nicht an das m. E. eher obsolete Diclofenac heranreichen.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
 zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Welche Stoffe in Energy-Drinks wirken auf Herz und Kreislauf?

Energy-Drinks haben eine durchschlagende Wirkung: Es kommt zu signifikanten Verlängerungen des QTc-Intervalls, und der systolische Blutdruck ist erhöht. Möglicherweise ist dafür nicht nur das Koffein verantwortlich. mehr »

Das war der Ärztetag 2017 in Bildern

Das war er nun, der 120 Ärztetag in Freiburg. Unsere Bildergalerie zeigt die schönsten, spannendsten Momente des viertägigen Kongresses. mehr »

Grünes Licht für GOÄ-Reformprozess

Der Deutsche Ärztetag hat den Verhandlungsführern für die GOÄ-Reform am Donnerstagabend grünes Licht für den weiteren Novellierungsprozess gegeben. mehr »