Ärzte Zeitung online, 22.07.2011

Wer ASS absetzt, erhöht sein Herzinfarktrisiko

MADRID (ob). Patienten, die Acetylsalicylsäure (ASS) zur Sekundärprävention nach einem vaskulären Ereignis einnehmen, sind gut beraten, den Thrombozytenhemmer nicht abzusetzen. Tun sie es doch, steigt das Risiko für einen Herzinfarkt.

Wer ASS absetzt, erhöht sein Herzinfarktrisiko

Kleine Tablette, große Wirkung: Wird ASS abgesetzt, steigt das Infarktrisiko.

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Dass diese Warnung nicht zuletzt von Patienten beherzigt werden sollten, die in Praxen von Allgemeinmedizinern betreut werden, verdeutlichen Ergebnisse einer Studie, die eine Forschergruppe um Dr. Luis A. Garcia Rodriguez aus Madrid jetzt veröffentlicht hat (BMJ 2011, online).

Ihre Fall-Kontroll-Studie basiert auf Daten aus einer großen Forschungsdatenbank (THIN) in Großbritannien, in der anonymisierte Informationen von rund drei Millionen Patienten niedergelassener Allgemeinmediziner gespeichert sind.

Rund 40.000 Patienten in der Studie

Für die aktuelle Analyse wurden gezielt die Daten von knapp 40.000 Personen im Alter zwischen 50 und 84 Jahren herangezogen, denen zur Sekundärprävention kardiovaskulärer Ereignisse ASS in niedriger Dosierung (75 - 300 mg/Tag) verordnet worden war. Die Dauer der Nachbeobachtung betrug im Mittel 3,2 Jahre.

Untersucht wurde, welches Herzinfarkt- und Koronartod-Risiko Patienten, die ihre ASS-Behandlung kurz zuvor abgebrochen hatten, im Vergleich zu jenen Patienten hatten, die diese Behandlung unverändert fortsetzten.

Im Beobachtungszeitraum registrierten die Untersucher 876 nicht tödliche Myokardinfarkte und 346 koronar bedingte Todesfälle. Patienten, die in jüngster Zeit die Einnahme von ASS - in der Regel wegen mangelnder Compliance - gestoppt hatten, hatten ein relativ um 43 Prozent erhöhtes Risiko für beide Ereignisse.

Risikoerhöhung um den Faktor 3 ist bekannt

Bei näherer Betrachtung zeigte sich, dass das Risiko für tödliche Koronarereignisse nicht signifikant angestiegen war. Signifikant erhöht war nach Abbruch der ASS-Einnahme allerdings das Risiko für nicht tödliche Myokardinfarkte, und zwar relativ um 63 Prozent.

Die Tatsache, dass nach Beendigung der Thrombozytenhemmung mit ASS die Rate kardiovaskulärer Komplikationen ansteigt, ist nicht ganz neu.

Wie schon Ergebnisse einer Metaanalyse publizierter Studiendaten gezeigt haben, erhöht sich das Risiko um den Faktor drei.

Die aktuelle Studie hat diesen Zusammenhang nach Ansicht ihrer Autoren nun auch für die Gruppe der allgemeinmedizinisch betreuten Patienten bestätigen können.

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