Ärzte Zeitung online, 09.08.2011

Schwere Brustschmerzen sind kein verlässliches Infarktzeichen

PHILADELPHIA (ob). Der Schweregrad des Brustschmerzes ist kein guter Indikator dafür, dass die zugrunde liegende Ursache sehr wahrscheinlich ein akuter Myokardinfarkt ist.

Schwere Brustschmerzen sind kein verlässliches Infarktzeichen

Starke Brustschmerzen links - da muss ein Infarkt ausgeschlossen werden, auch wenn solche Schmerzen kein guter Indikator sind.

© ArTo / fotolia.com

Muss bei Patienten, die mit starken Brustschmerzen in die Notaufnahme kommen, eher an einen Herzinfarkt gedacht werden als bei Patienten mit leichten oder moderaten Beschwerden?

Nein, behauptet jetzt eine US-Forschergruppe um Dr. Anna Maria Chang von der Pennsylvania-Universität in Philadelphia mit Hinweis auf eigene Studiendaten.

Schweregrad mit 10-Punkte-Skala ermittelt

In ihre Studie hat die Gruppe 3306 Patienten aufgenommen, die zur Abklärung von Brustschmerzen in die Notaufnahme einer Klinik kamen (Ann Emerg Med. 2011; online).

Bei ihnen muss selbstverständlich auch ein akutes Koronarsyndrom als mögliche Ursache in Betracht gezogen werden.

Bei den Studienteilnehmern ist unter anderem mithilfe einer 10-Punkte-Skala der Schweregrad der Brustschmerzen ermittelt worden. Ein Score von 9 oder 10 Punkten - er wurde bei 18 Prozent aller Patienten erhoben - galt als Indiz für schwere Schmerzen.

Als Indikator für eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass ein Herzinfarkt die Beschwerden verursacht hatte, erwiesen sich starke Brustschmerzen allerdings nicht.

Auch kein Zusammenhang mit Todesrate festgestellt

Bei Patienten mit schweren Schmerzen (Score 9 - 10) war die Prävalenz von in der Klinik festgestellten Myokardinfarkten mit 3,9 versus 3,0 Prozent kaum höher als bei Patienten mit weniger ausgeprägten Symptomen (Score 1 - 8).

Der Schweregrad der Schmerzen korrelierte zudem nicht mit der Rate der klinischen Ereignisse Tod, Herzinfarkt und Revaskularisation innerhalb der ersten 30 Tag nach Präsentation in der Notaufnahme.

In dieser Zeit starben 34 Patienten, bei 111 wurde ein Myokardinfarkt festgestellt; 105 Patienten wurden einer koronaren Revaskularisation (perkutane Koronarintervention oder Bypass-Op) unterzogen.

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