Ärzte Zeitung online, 15.10.2011

Kollateralen der Herzarterien - die kleinen Lebensretter

Gute Kollateralen als arterielle Gefäßbrücken zwischen den größeren Koronararterien sind ein relevanter Schutzfaktor bei KHK. Eine neue Metaanalyse bescheinigt den "natürlichen Bypässen" sogar eine lebensrettende Funktion.

Kollateralen - die kleinen Lebensretter in der Koronarzirkulation

Gute Kollateralen schützen bei KHK das Herz - und diese natürlichen Umleitungen kann man mit Ausdauertraining fördern.

© Jörg R. / PantherMedia

LONDON (ob). Die Kollateralenbildung in der koronaren Zirkulation ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. Genetische Faktoren sind dabei von Bedeutung, aber auch der Grad der körperlichen Aktivität und das Ausmaß einer ischämischen Herzerkrankung. Körperliches Ausdauertraining wie auch Koronarverengungen regen das Wachstum von Kollateralgefäßen an.

Gute Kollateralen, kleinere Herzinfarkte

Je besser die Kollateralisierung, desto besser kann im Falle eines akuten Myokardinfarktes trotz Koronarverschluss das "notleidende" Myokardgewebe über eine arterielle "Umgehung" von benachbarten Koronarien mit Blut versorgt werden. Tatsächlich konnte in Studien gezeigt werden, dass eine gute Kollateralisierung einen günstigen Einfluss auf die Infarktgröße hat.

Allerdings waren diese Studien zu klein, um verlässliche Auskunft über den Effekt von Kollateralen auf die Mortalität geben zu können. Um die wissenschaftliche Basis unter statistischem Aspekt zu erweitern, hat eine Forschergruppe um Dr. Pascal Meier aus London die gepoolten Daten aus 12 Studien in eine Metaanalyse einfließen lassen (Eur Heart J 2011; online)..

Insgesamt 6529 KHK-Patienten mit stabiler Koronarerkrankung wie auch akutem oder subakutem Myokardinfarkt waren daran beteiligt. Der Grad der Kollateralenbildung ist dabei in der Regel koronarangiografisch mithilfe der Rentrop-Klassifizierung bestimmt worden. Genauer, aber auch technisch schwieriger, ist die Beurteilung per intrakoronarer Druckmessung.

Sterberate war um 36 Prozent niedriger

Ergebnis: Patienten, bei denen eine hochgradige Kollateralisierung nachweisbar war, hatten ein signifikant um 36 Prozent niedrigeres Sterberisiko als Patienten mit geringer Kollateralenbildung. In der Subgruppe der Patienten mit stabiler KHK war die Mortalität signifikant um 41 Prozent geringer.

Auch bei Patienten mit akutem oder subakutem Myokardinfarkt war ein relativ hohes Ausmaß an vorbestehenden Kollateralen mit einer deutlich niedrigeren Mortalität assoziiert. Allerdings waren die Unterschiede hier - vermutlich bedingt durch die geringere Zahl von Patienten - nicht statistisch signifikant.

Körperliches Training fördert Kollateralenbildung

Wie lässt sich die Kollateralenbildung verbessern? Die kostengünstigste Methode dürfte wohl regelmäßiges körperliches Ausdauertraining sein. Eine Methode, die dessen Effekte ohne erforderliche Anstrengung simuliert, ist die externe Gegen-Pulsationstherapie (ECP, extracorporal counterpulsation). Schnell aufgeblasene Manschetten um die Beine erzeugen dabei zusätzlich zum Herzschlag Pulswellen, die Gefäßendothelzellen zum Umbau von Gefäßen anregen.

Eine kostspielige Option, die Kollateralen auf Vordermann zu bringen, ist die derzeit in Studien getestete Behandlung mit Wachstumsfaktion wie G-CSF (Granulozyten Kolonie-stimulierender Faktor).

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