Ärzte Zeitung online, 14.11.2011

Rivaroxaban senkt Sterberate bei Herzinfarkt

Ein neuartiger Gerinnungshemmer sorgt für Schlagzeilen - für erfreuliche. Auf dem AHA-Kongress in Orlando wurden jetzt Zahlen vorgestellt, wonach Rivaroxaban beim akutem Koronarsyndrom helfen kann.

Rivaroxaban senkt Sterberate bei Herzinfarkt

Hilfe fürs Herz: Gute Daten für Rivaroxaban beim ACS.

© Volker Werner / fotolia.com

ORLANDO (ob). Der orale Gerinnungshemmer Rivaroxaban scheint - in sehr niedriger Dosierung - die Behandlung bei akutem Koronarsyndrom weiter verbessern zu können. Auch eine Senkung der Gesamtsterberate ist damit nach neuen Studiendaten erreichbar.

Die jetzt in Orlando vorgestellten Ergebnisse der ATLAS-ACS-2-Studie dürften wohl nicht nur auf dem Kongress der "American Heart Association" (AHA) für viel Gesprächsstoff sorgen.

In dieser Studie, an der 15 526 Patienten mit akutem Koronarsyndrom (Myokardinfarkt oder instabile Angina pectoris) beteiligt waren, ging es um die Frage, ob der Faktor-Xa-Hemmer Rivaroxaban (Xarelto®) additiv zur antithrombotischen Standardtherapie (inklusive dualer Plättchenhemmung) von Nutzen ist.

Intervention ca. fünf Tage nach dem Akutereignis

Der orale Gerinnungshemmer wurde in zwei relativ niedrigen Dosierungen - 2,5 mg und 5 mg zweimal täglich - mit Placebo verglichen. Die Behandlung begann im Schnitt knapp fünf Tage nach dem Akutereignis.

Der Schwerpunkt lag somit weniger auf der Akuttherapie, sondern auf der Sekundärprävention. Der Anteil der Patienten, die eine duale thrombozytenhemmende Therapie mit ASS und Clopidogrel erhielten, lag bei 93 Prozent.

Auf Basis einer zweijährigen Beobachtungsdauer wurde die Rate für den primären kombinierten Endpunkt (kardiovaskulärer Tod, Herzinfarkt, Schlaganfall) von 10,7 Prozent (Placebo) auf 9,1 Prozent (Rivaroxaban) signifikant gesenkt. Das entspricht einer relativen Risikoreduktion um 16 Prozent.

NNT lag bei 56

Für jede der beiden Dosisstärken ergab sich bei separater Analyse jeweils eine signifikante Reduktion des primären kombinierten Endpunktes, berichtete Dr. Michael Gibson aus Boston bei der Studienpräsentation auf einer AHA-Pressekonferenz.

Nach seinen Angaben müssen 56 Patienten zwei Jahre lang mit Rivaroxaban behandelt werden, um einen Todesfall zu verhindern.

Abgesehen vom primären Studienendpunkt unterschieden sich beide Rivaroxaban-Regime jedoch in puncto Wirksamkeit.

So konnte mit der höheren 5-mg-Dosierung zwar die Infarktrate, aber weder die kardiovaskuläre noch die Gesamtsterberate signifikant gesenkt werden.

Höheres Blutungsrisiko

Anders im Fall der sehr niedrigen 2,5-mg-Dosierung: Damit wurde zwar nicht die Infarktrate, wohl aber die Rate für die kardiovaskuläre Mortalität (um 34 Prozent) und die Gesamtsterberate (um 32 Prozent) gesenkt (kardiovaskuläre Mortalität: 2,7 versus 4,4 Prozent; Gesamtmortalität: 2,9 versus 4,5 Prozent).

Die Kehrseite: Rivaroxaban erhöhte signifikant das Risiko für schwere Blutungskomplikationen (2,1 versus 0,6 Prozent) und für intrakranielle Blutungen (0,6 versus 0,2 Prozent), unter der 2,5-mg-Dosierung allerdings weniger stark als unter der 5-mg-Dosierung.

Tödliche Blutungen waren aber nicht signifikant häufiger als unter Placebo (0,3 versus 02 Prozent). Der günstige Effekt einer Reduktion der Sterberate durch Rivaroxaban in der sehr niedrigen Dosierung wurde deshalb durch tödliche Blutungen nicht geschmälert.

Thrombotische Ursachen?

Vorangegangenen Studien mit anderen neuen Gerinnungshemmern wie Apixaban bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom waren wegen des deutlich erhöhten Blutungsrisikos weniger erfolgreich verlaufen.

Dass die Nutzen/Risiko-Bilanz in der ATLAS-ACS-2-Studie für Rivaroxaban speziell in der 2,5-mg-Dosierung günstiger ausgefallen ist, führt Gibson unter anderen darauf zurück, dass man sich mit aller Vorsicht für zwei relativ niedrige Dosierungen entschieden habe.

Nicht weniger wichtig sei die Tatsache, dass Patienten mit Schlaganfällen und/oder TIA in der Vorgeschichte - sie haben besonders hohes Blutungsrisiko - konsequent von der Studienteilnahme ausgeschlossen worden sind.

Das etwas überraschende Faktum, dass Rivaroxaban in sehr niedriger Dosierung zwar nicht die Herzinfarktrate, wohl aber die kardiovaskuläre Sterberate signifikant reduzierte, erklärt sich Gibson im übrigen so: Es gebe Anhaltspunkte dafür, dass Rivaroxaban vor allem plötzliche Herztodesfälle verhinderte bei Patienten, bei denen bei der Autopsie Hinweise auf eine thrombotische Ursache gefunden wurden.

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