Ärzte Zeitung online, 22.12.2011

Koronarverengung: Nicht auf den Kalk verlassen

Kein Koronarkalk, keine Koronarstenosen - diese Gleichung geht anscheinend nicht immer auf: Fehlender Kalk schließt eine obstruktive Koronarerkrankung nicht generell aus.

BETHESDA (ob). Lässt sich mittels Computertomografie des Herzens (Cardio-CT) bei einem Patienten kein Koronarkalk nachweisen (Kalkscore = 0), wird diesem Befund ein hoher negativer prädiktiver Wert beigemessen.

Soll heißen: Ist kein Kalk in Koronargefäßen vorhanden, ist die Wahrscheinlichkeit relevanter Koronarstenosen äußerst gering.

Völlig in Sicherheit wiegen kann sich ein Mensch mit diesem zunächst erfreulichen Cardio-CT-Befund allerdings nicht. Das zeigen Ergebnisse einer neuen Analyse von Daten aus dem großen prospektiven CONFIRM-Register (J Am Coll Cardiol 2011; 58: 2533).

In diesem internationalen Register sollen Erkenntnisse zum Nutzen der koronaren 64-Zeilen-CT-Angiografie für die Vorhersage künftiger Koronarereignisse gewonnen werden.

Die aktuelle Analyse basiert auf den Daten von 10 037 symptomatischen Patienten ohne bekannte KHK, bei denen sowohl eine Koronarkalkmessung als auch eine koronare CT-Angiografie (CCTA) vorgenommen worden war.

Kein höherer Nutzen als CCTA

Jeder zweite Patient (51 Prozent) bot bei der Kalkbestimmung völlig kalkfreie Koronararterien (Kalkscore = 0). Bei diesen Patienten fanden sich auch in 84 Prozent der Fälle bei der CCTA keine Anzeichen für eine obstruktive Koronarerkrankung.

Von den übrigen Patienten hatten allerdings 13 Prozent eine nicht-obstruktive KHK (Stenosegrad unter 50 Prozent) und immerhin 3,5 Prozent eine obstruktive KHK mit Stenosen von mehr als 50 Prozent. Bei 1,4 Prozent der Patienten betrug die Einengung des Gefäßlumens sogar mehr als 70 Prozent.

Innerhalb einer Beobachtungsperiode von mehr als zwei Jahren waren die Mortalitätsraten bei den "kalkfreien" Patienten mit und ohne obstruktive KHK nicht signifikant unterschiedlich.

Die Inzidenz von schwerwiegenden Ereignissen (Tod, Myokardinfarkt, Revaskularisation) war allerdings in der Subgruppe mit kritischen Koronarstenosen signifikant höher als in der Subgruppe ohne manifeste Koronarstenosen (3,9 versus 0,8 Prozent). Der "Treiber" war dabei die höhere Rate an Revaskularisationen bei Patienten mit relevanten Stenosen.

Die zusätzliche Koronarkalk-Messung hatte keinen höheren prognostischen Informationswert als das bei der CCTA-Untersuchung festgestellte Ausmaß der Koronarerkrankung.

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