Ärzte Zeitung, 23.02.2012

Darauf sollten Herzkranke im Winter achten

Kälte stellt für Herzpatienten eine große Gefahr dar - schließlich kann sie einen Herzinfarkt auslösen. Die Deutsche Herzstiftung gibt wertvolle Ratschläge, wie die Betroffenen gut durch den Winter kommen.

Darauf sollten Herzkranke im Winter achten

Die Deutsche Herzstiftung rät, bei Kälte anstrengenden Sport zu meiden und stattdessen ausgedehnte Spaziergänge zu bevorzugen.

© photos.com

FRANKFURT AM MAIN (eb). Kälte stellt bekanntlich für Herzkranke eine Gefährdung dar - sie kann einen Angina -pectoris-Anfall oder einen Herzinfarkt auslösen.

Tipps und Informationen, wie diese Patienten sich am besten schützen, hat die Deutsche Herzstiftung in einem Sonderdruck zusammengestellt, den sie jetzt kostenfrei anbietet.

"Wie komme ich gut durch den Winter?" lautet der Titel der Broschüre. Darin ist ein Interview mit Dr. Frank Sonntag abgedruckt, der als Kardiologe in Henstedt-Ulzburg niedergelassen ist und als Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Deutschen Herzstiftung amtiert.

Tiefe Temperaturen sind deshalb potentiell eine Gefahr, weil sie die Herzkranzgefäße verengen, weshalb das Herz gegen einen größeren Widerstand anpumpen muss.

Wenn ein bisher Gesunder in die Kälte hinausgehe und plötzlich Schmerzen, Druck oder Brennen im Brustkorb und Atemnot bekomme, sollte er umgehend einen Arzt konsultieren, wird Sonntag in einer Mitteilung der Herzstiftung zitiert.

Auf gefühlte Kälte achten

Solche Brustschmerzen dürften keinesfalls als kältebedingte Reizung der Bronchien verharmlost werden. Denn sie können auf eine mangelhafte Sauerstoffversorgung des Herzens hindeuten und somit Vorboten eines Angina-pectoris-Anfalls oder eines Herzinfarkts sein.

Was aber heißt "starke" Kälte? "Es kommt nicht unbedingt auf die Temperatur auf dem Thermometer an, sondern oft mehr auf die gefühlte Kälte", erläutert Sonntag. Bewegung bei minus drei bis fünf Grad Celsius könne bei Gegenwind oder Smogwetter deutlich unangenehmer sein als an einem klaren windstillen Wintertag bei minus 5 bis 10 Grad.

Bei Außentemperaturen im zweistelligen Minusbereich sollte man körperliche Belastung vermeiden oder auf ein Mindestmaß beschränken.

Besondere Vorsicht ist geboten, wenn bereits eine Herzerkrankung besteht. Diese Patienten sollten sich im Freien einen Schal leicht über Nase und Mund legen, damit die vorgewärmte Luft sie schützt. Auch sollten Menschen mit verengten Herzkranzgefäßen bei grimmiger Kälte auf starke Anstrengungen verzichten.

Ein erhöhtes Risiko durch Schneeschippen hat erst jüngst wieder eine kanadische Studie an Patienten mit akutem Koronarsyndrom belegt (Clin Res Cardiol (2012); 101: 11-15).

Spaziergänge und kleine Jogging-Runden werden empfohlen

Wenn Koronarpatienten plötzlich empfindlicher als sonst auf Kälte reagieren , sollten sie dies rasch mit ihrem Arzt besprechen, weil dann unter Umständen die Therapie angepasst werden müsse.

Zudem sollten sie morgens - wenn der Körper schon durch die Nacht-Umstellung belastet ist - nicht zum Brötchen holen oder Zeitungkaufen gehen, ohne ihre Medikamente genommen zu haben. Eventuell seien vorher ein bis zwei Hub Nitrospray unter die Zunge hilfreich, empfiehlt Sonntag.

Generell rät die Herzstiftung, sich auch im Winter ausreichend zu bewegen, mindestens drei Einheiten mit jeweils 20 bis 30 Minuten. Allerdings sollte man weniger anstrengenden Sport bevorzugen. Geeignet seien ausgedehnte Winterspaziergänge, Walking-Einheiten oder kleinere Jogging-Runden.

Man sollte langsam beginnen, damit sich der Körper auf die Kälte einstellen kann. Bei extremer Kälte biete sich an, den Sport in die Turnhalle zu verlegen, ein paar Bahnen im Hallenbad zu schwimmen oder auf einem Hometrainer zu strampeln. Faustregel für die Intensität: Der Puls soll ansteigen, aber eine Unterhaltung noch gut möglich sein.

Der Sonderdruck kann angefordert werden bei: Deutsche Herzstiftung e. V., Vogtstr. 50, 60322 Frankfurt am Main

[24.02.2012, 10:48:10]
Dr. Gerd-Uwe Johnson 
Darauf sollten Herzkranke im Winter achten
Dieser Rat an "Koronarkranke" sollte bitte systematisch schon Mitte November abgegeben werden. Besonders berücksichtigt werden sollten: Versorgende Kliniken, Koronarsportgruppen ggf auch über die Landesverbände. zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Sind Computer bald die besseren Therapeuten?

Immer mehr Online-Psychotherapien drängen auf den Markt. Die meisten sind weder besonders einfühlsam noch allzu intelligent. Dennoch sind die Erfolge erstaunlich. mehr »

Kollege Computer, übernehmen Sie!

Eine computer-basierte Verhaltenstherapie kann Insomnie-Patienten den Schlaf zurückgeben. Der Erfolg ist ähnlich gut wie durch menschliche Therapeuten, bescheinigt ein kalifornischer Professor. mehr »

Kein frisches Geld in Sicht

Die umfassende Studien-reform soll zunächst ohne zusätzliches Geld auskommen. Darauf haben sich Bund und Länder geeinigt, wie aus dem vertraulichen Papier hervorgeht. mehr »