Ärzte Zeitung online, 26.03.2012

Schwangerschaft bedroht das Herz

Werdende Mütter haben offenbar ein erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt - selbst wenn sie gesund sind. Für Ärzte heißt das: Einige Leitlinien-Empfehlungen könnten sogar gefährlich sein.

Schwangerschaft erhöht das Infarktrisiko

Auch auf das Herz achten bei Schwangeren.

© auremar / fotolia.com

CHICAGO (ob). Herzinfarkte treten bei Frauen im gebärfähigen Alter extrem selten auf. Im Falle einer Schwangerschaft steigt allerdings das Risiko. Und Herzinfarkte verlaufen bei Schwangeren häufig schwer. Für die Therapie gelten wegen der besonderen Pathophysiologie eigene Regeln.

Im Schnitt erleidet nur eine von etwa 16.000 bis 20.000 Frauen während einer Schwangerschaft oder kurz nach der Geburt einen akuten Myokardinfarkt, berichtete Professor Uri Elkayam aus Los Angeles bei ACC-Kongress in Chicago.

Obwohl insgesamt sehr niedrig, sei das Infarktrisiko damit drei- bis viermal höher als bei Nicht-Schwangeren der gleichen Altersgruppe.

Elkayam präsentierte in Chicago eine Analyse von 150 in der Zeit nach 2005 aufgetretenen Fällen. In einer vorangegangenen Erhebung waren bereits 228 in der Zeit vor 2005 registrierte Fälle erfasst worden.

Hormonveränderungen sind wohl entscheidend

Herzinfarkte in der Schwangerschaft nehmen oft einen schweren und komplikationsreichen Verlauf. Die Mortalitätsrate ist mit 7 Prozent deutlich höher als bei nicht schwangeren Infarktpatientinnen gleichen Alters. Die gute Nachricht: Vor 2005 war die Mortalität mit 16 Prozent noch mehr als doppelt so hoch.

Atherosklerotische Gefäßveränderungen sind nur bei einer Minderheit der Schwangeren die Grundlage der Infarktentwicklung. Meist fehlen die einschlägigen Risikofaktoren wie Hypertonie, Diabetes oder Dyslipidämie.

Von größerer Bedeutung sei, dass unter dem Einfluss von Hormonveränderungen in der Schwangerschaft die Festigkeit der Gefäßwand in den Koronararterien abnehme, so Elkayam.

Das wiederum begünstige koronare Dissektionen, also die Ablösung der inneren Gefäßwandschichten mit konsekutiver Thrombosierung.

Angesichts dieser Pathomechanismen seien einige der in Leitlinien empfohlenen Therapiemaßnahmen eher gefährlich als hilfreich, warnte Elkayam.

Eine Lyse-Therapie etwa könne die Situation eher verschlimmern als verbessern und sei "keine gute Idee".

[27.03.2012, 10:55:24]
Dr. Diethard Friedrich 
Wem dienen derartige Berechnungen?
Bei dem Beitrag muss gefragt werden, wem derartige Aussagen dienlich sind. Mit Sicherheit dem Geburtshelfer nicht.In meiner rund 40jährigen geburtshilflichen Tätigkeit, zum Teil an einer skandinavischen Uniklinik mit 8000 Geburten pro Jahr habe ich einen perinatalen Herzinfarkt nie erlebt. Auch wurde davon auch nie berichtet.Nach der Studie wären dass dann im Schnitt alle 2 Jahre ein Herzinfarkt gewesen. Das wäre schon aufgefallen. An eine perinatale Lungenembolie muss man aber immer denken. zum Beitrag »
[26.03.2012, 19:55:03]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Statistik seltener Ereignisse vs. individualisierte Medizin
Durch hormonelle, morphologische und rheologisch-endotheliale Veränderungen bedingt sind in der Gravidität die Risiken für Thrombosen, Embolien, Herz- und Hirninfarkte erhöht. Aber die Relationen sollten adäquat eingeschätzt werden. Ein Myokardinfarkt während der Schwangerschaft oder peripartal auf 16.000 bis 20.000 Gebärende bleibt ein klinisch seltenes Ereignis. Auch wenn in der Vergleichsgruppe der nicht-schwangeren Frauen nach den vorliegenden Angaben die Inzidenz bei einem kardialen Infarktereignis auf 48.000 bis 80.000 Patientinnen liegen soll. Ich frage mich nur, wer das je messen und berechnen konnte?  zum Beitrag »

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