Ärzte Zeitung online, 21.11.2013

KHK-Patienten

Weniger Infarkte nach Grippe-Impfung

Lassen sich KHK-Patienten gegen Grippe impfen, sinkt die Gefahr für einen Herzinfarkt. Das haben kanadische Forscher jetzt herausgefunden.

Von Dagmar Kraus

Weniger Infarkte nach Grippe-Impfung

Kleiner Piks mit Mehrfach-Wirkung: Grippe-Impfung.

© JPC-PROD / fotolia.com

TORONTO. Was sich in epidemiologischen Studien bereits abzeichnete, hat jetzt eine aktuelle Metaanalyse aus Kanada bestätigt: Mit der Grippe-Impfung sinkt das Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse.

Wobei der Zusammenhang zwischen Impfung und sinkender Ereignisrate bei Hochrisiko-Patienten am deutlichsten ausfiel, wie die Forscher Jacob A. Udell von der Universität in Toronto und seine Kollegen betonen (JAMA 2013; 310: 1711).

Die Wissenschaftler berücksichtigten in ihrer Metaanalyse sechs randomisierte klinische Studien mit insgesamt 6735 Probanden, in denen die Häufigkeit kardiovaskulärer Ereignisse bei KHK-Patienten mit und ohne Grippe-Impfung gegenübergestellt worden waren.

Die Patienten waren im Durchschnitt 67 Jahre alt und jeder Dritte hatte eine positive kardiale Anamnese. Je fortgeschrittener die KHK, desto größer der Effekt.

Absolutes Risiko um 1,8 Prozentpunkte gesunken

Während 2,9 Prozent der 3238 gegen Grippe geimpften Probanden innerhalb eines Jahres ein kardiovaskuläres Ereignis erlitten hatten, waren es 4,7 Prozent der 3231 Teilnehmer aus der Placebo- bzw. Kontrollgruppe.

Das absolute Risiko, einen Herzinfarkt oder Ähnliches zu erleiden, war bei Geimpften fast 1,8 Prozentpunkte geringer als bei Nicht-Geimpften. Und: Um ein kardiovaskuläres Ereignis zu verhindern, müssen sich 58 KHK-Patienten gegen Grippe impfen lassen.

Noch deutlicher fiel der Unterschied bei den Hochrisiko-Patienten aus, also solchen mit einem erst kurz zurückliegenden akuten Koronarsyndrom.

Mussten von den Geimpften 10,25 Prozent innerhalb eines Jahres wegen eines kardiovaskulären Ereignisses behandelt werden, waren es 23,1 Prozent bei den Nicht-Geimpften (p ‹ 0,001). In dieser Hochrisiko-Gruppe sank die Number-needed-to-treat auf 8.

Kein Unterschied beim Sterberisiko

Keinen Unterschied machte der Impfstatus jedoch im Hinblick auf das Risiko, aufgrund eines kardiovaskulären Ereignisses zu sterben (p = 0,61). Binnen Jahresfrist starben 1,3 Prozent der Geimpften und 1,7 Prozent der Nicht-Geimpften.

Für Udell und seine Ko-Autoren steht mit den Ergebnissen dieser weltweit angelegten Metaanalyse außer Frage: Die Grippeimpfung ist bei KHK-Patienten mit einem geringeren Risiko kardiovaskulärer Ereignisse assoziiert.

Der größte Effekt war bei Patienten mit sehr fortgeschrittener KHK zu beobachten. Die Studienautoren fordern, in groß angelegten Multicenter-Studien diese Ergebnisse zu überprüfen und individuelle kardiale Endpunkte festzulegen.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Ein Grund mehr zur Impfung

[21.11.2013, 10:38:13]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Sinnvolle Metaanalyse!
Hier wurden ausschließlich prospektiv-randomisierte klinische Studien, die Influenza-Impfstoff gegen Placebo oder Kontrollgruppen o h n e Impfung bei kardiovaskulären Hoch-Risiko-Patienten verglichen, berücksichtigt ["randomized clinical trials (RCTs) comparing influenza vaccine vs placebo or control in patients at high risk of cardiovascular disease..."].

Ethisch bedenklich ist allerdings bei der bereits bestehenden Datenlage, KHK-Hochrisikopatienten im Placebo-Arm der "Schein-Spritze" einen realisierbaren Influenza-Schutz v o r z u e n t h a l t e n.

Meine Patientinnen und Patienten werden unter "informed consent" in meiner Praxis geimpft. Dabei gebe ich zu bedenken, dass diejenigen, die sich sozusagen als Kontrollgruppe bei mir n i c h t impfen lassen, nach meiner Erfahrung häufig w e n i g e r gesundheitsbewusst leben, ein niedrigeres Mobilitäts-, Ernährungs- und Bildungsniveau bzw. einen geringeren sozioökonomischen Status aufweisen.

Das ist letztlich auch die "Dunkelziffer" derer, die t r o t z hohem kardiovaskulärem Risiko(verhalten) gar nicht erst eine Arztpraxis bis zum klinisch relevanten Akuten Koronarsyndrom (ACS) aufsuchen. D i e s e gilt es mit flankierenden Maßnahmen zu erreichen.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
 zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Künstliche Herzklappe raubt oft den Schlaf

Fast ein Viertel aller Patienten mit einer mechanischen Herzklappe klagt über Schlafstörungen. Die Ursache hat eine einfache Erklärung. mehr »

Alle wichtigen Videos vom Ärztetag

Digitalisierung, Angst vor Veränderung, Wunschminister: Die Ärztezeitung fasst für Sie die wichtigen Themen von Tag 1 und 2 des Ärztetags in kurzen Videos zusammen. mehr »

"Digitalisierung lässt sich nicht klein hoffen"

Die Digitalisierung lässt sich nicht aufhalten, die Ärzte sollten sich daher aktiv daran beteiligen, appellierte der Blogger Sascha Lobo auf dem Ärztetag. mehr »