Ärzte Zeitung, 02.12.2014

Langzeitstudie

Statine schützen jahrzehntelang vor Herzinfarkt

Statine bieten offenbar einen bemerkenswerten kardiovaskulären Langzeitschutz, wie sich rund zwanzig Jahre nach dem Ende der WOSCOP-Studie zeigt.

Von Peter Overbeck

Statine schützen jahrzehntelang vor Herzinfarkt

Statine können offenbar über Jahrzehnte vor kardiovaskulären Erkrankungen wie Herzinfarkt schützen. Das zeigen zumindest Erkenntnisse aus der WOSCOP-Studie.

© Kzenon / fotolia.com

CHICAGO. Auch nach einer Beobachtungsdauer von nunmehr 20 Jahren profitierten die zuvor fünf Jahre lang mit Pravastatin behandelten Teilnehmer der WOSCOP-Studie immer noch von den Vorteilen dieser Therapie.

Selbst nach so langer Zeit war ihr Risiko für ein tödliches KHK-Ereignis immer noch signifikant um 27 Prozent niedriger als das jener Teilnehmer, die zuvor der Placebogruppe zugeteilt waren.

Dieser Unterschied spiegelt sich auch in der Gesamtmortalität wider, deren Rate nach 20 Jahren signifikant um 13 Prozent niedriger war, berichtete Dr. Chris Packard aus Glasgow jüngst beim Kongress der American Heart Association in Chicago.

Nach Ende der WOSCOP-Studie im Jahr 1995 war der Anteil der mit Statinen behandelten Patienten mit knapp ein Drittel in der ursprünglichen Verum- und Placebogruppe jeweils gleich.

Um ein Gesamt-Follow-up für den Zeitraum zwischen 1989 und 2011 erstellen zu können, hat die WOSCOP-Gruppe zusätzliche Informationen aus Sterbe- und Krebsregistern sowie aus Datenbanken des National Health Service (NHS) zu Klinikaufenthalten genutzt.

Die fünfjährige Senkung des LDL-Cholesterin im Zeitraum der Studie hatte zur Folge, dass das Risiko für koronare Revaskularisationen (Bypass-Op, perkutane Koronarintervention) auch nach zwei Jahrzehnten noch um 19 Prozent niedriger war.

Keine Begünstigung von Krebserkrankungen

Eine Überraschung: Während in der Studie selbst kein signifikanter Unterschied bei der Herzinsuffizienz (HI) bestand, war langfristig eine signifikante Reduktion von HI-Erkrankungen um 31 Prozent zu beobachten (96 versus 128 Fälle).

Beruhigend ist die Tatsache, dass auch in der Langzeitbetrachtung kein "Signal" für eine Begünstigung von Krebserkrankungen durch Cholesterinsenkung zu erkennen war. Die Gesamtrate maligner Erkrankungen betrug 24,5 Prozent (Pravastatin) und 24,7 Prozent (Placebo).

Auch der gesundheitsökonomische Nutzen ist - gemessen an der dokumentierten Dauer aller Klinikaufenthalte der WOSCOP-Teilnehmer - offenbar beträchtlich.

Im Hinblick auf kardiovaskulär bedingte Hospitalisierung kam man bei den Teilnehmern der Pravastatin-Gruppe in zwei Jahrzehnten auf 24.038 Krankenhaustage, im Vergleich zu 30.342 bei den zuvor mit Placebo behandelten Patienten.

[02.12.2014, 10:28:17]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Bestätigung der 20 Jahre alten 4-S-Studie
Dies stimmt mit den Ergebnissen der mittlerweile 20 Jahre alten 4-S-Studie (Scandinavian Simvastatin Survival Study) überein [The Lancet, Vol 344, November 19, 1994]. Terje Petersen (Oslo) et al. hatten durch die Behandlung mit dem CSE-Hemmer Simvastatin die Progression kardiovaskulärer Erkrankungen statistisch signifikant verlangsamen können. Einzelheiten siehe als PowerPoint
http://clintrialresults.org/Slides/4S2000.ppt

"In der 4-S-Studie waren 4 444 Patienten mit manifester KHK bzw. überlebtem Myokardinfarkt doppelblind randomisiert über im Mittel fünf Jahre mit Simvastatin (Zocor®) [und Denan®] oder Plazebo [heute aus ethischen Gründen obsolet] behandelt worden. Ergebnis: Im Vergleich zur Kontrollgruppe waren unter Verum die Gesamtmortalität um 30 Prozent, die kardiovaskuläre Letalität um 42 Prozent, die Gesamtrate nicht letaler atherosklerotisch bedingter Ereignisse (Myokardinfarkt, Herz-Kreislauf-Stillstand, Schlaganfall/TIA) um 26 Prozent niedriger. Außerdem musste etwa ein Drittel weniger Patienten revaskularisiert oder stationär behandelt werden.
Einschlusskriterium war neben der klinischen Diagnose ein Gesamtcholesterin (nach zweimonatiger Diät Vorlaufphase) zwischen 213 und 310 mg/dl gewesen. Auch bei niedrigen Ausgangswerten nahmen das Gesamtcholesterin durchschnittlich um 25 Prozent, das LDL-Cholesterin um 35 Prozent, die Triglyzeride um zehn Prozent ab; das HDL-Cholesterin nahm um acht Prozent zu. In der Plazebogruppe gab es dagegen keine nennenswerten Veränderungen."
Quelle: "Simvastatin bei koronarer Herzkrankheit: Fettstoffwechsel bestimmt Prognose" - Dtsch Arztebl 1996; 93(6): A-332 / B-266 / C-251
http://www.aerzteblatt.de/archiv/374/Simvastatin-bei-koronarer-Herzkrankheit-Fettstoffwechsel-bestimmt-Prognose

Ich kann mich noch genau erinnern: Damals versuchten das "arznei-telegramm" aber auch der "Arzneimittel-Brief" geradezu verzweifelt mit fadenscheinigen pseudowissenschaftlichen, aber auch gesundheitsökonomischen Argumenten gegen diese Studienergebnisse anzurennen - aus falsch verstandener Kritikwütigkeit gegenüber Pharmafirmen, die mit Medikamenten auch noch Geld verdienen wollten.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (z. Zt. Kaprun/A)
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