Ärzte Zeitung online, 14.04.2015

Infarkt unter 45

Junge Raucher spielen mit ihrem Herzen

Eine Bremer Studie zeigt jetzt: Junge Herzinfarkt-Patienten unter 45 Jahre sind männlich, rauchen und haben ein höheres Risiko für Herzinfarkt.

MANNHEIM. Jeder 15. Patient mit einem schweren Herzinfarkt (STEMI, ST-Hebungsinfarkt) ist jünger als 45 Jahre, 80 Prozent der jungen Infarktpatienten sind Männer, 85 Prozent waren zum Infarktzeitpunkt aktive Raucher.

Der dominierende Risikofaktor war der aktive Tabakkonsum, gefolgt von einer positiven Familienanamnese für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Adipositas.

Diese Auswertung von 5632 Daten des Bremer STEMI-Registers, in dem seit 2006 alle im Bremer Herzzentrum behandelten Patienten mit STEMI dokumentiert werden, präsentierte Luis Alberto Mata-Marin (Bremer Institut für Herz- und Kreislaufforschung) auf der 81. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie in Mannheim (DGK) (Abstract P1369).

Im Vergleich zur Normalbevölkerung ist der Sterblichkeitsnachteil durch den Infarkt für junge Patienten überproportional hoch, wird Mata-Marin in einer Mitteilung der DGK zitiert: "Die Einjahres-Sterblichkeit war für Junge 47-fach gegenüber der Vergleichsbevölkerung erhöht, während für Ältere ein Infarktereignis die Sterberate im Durchschnitt nur um das 11-fache erhöhte."

Der Anteil der jungen Patienten ist trotz eines signifikanten Anstiegs des Durchschnittsalters der Patienten über die Jahre von 2006 bis 2013 mit sieben Prozent konstant geblieben. Im alterspezifischen Vergleich der maximalen Infarktausdehnung zeigte sich allerdings eine Häufung von besonders schweren Infarktereignissen bei jungen Patienten.

Creatin-Kinase im Blick

30 Prozent der Patienten, die zum Infarktzeitpunkt jünger als 45 Jahre alt waren, zeigten eine maximale Erhöhung des Creatin-Kinase (CK)-Spiegels auf mehr als 3000 U / l, während dieser Grenzwert nur von 19 Prozent der älteren Patienten überschritten wurde.

Die Menge der freigesetzten CK gibt Hinweise auf die Größe des Herzinfarkts. Mata-Marin: "Das erklärt möglicherweise auch die erhöhte Rate von prähospitalen Reanimationen, die bei jungen Patienten mit ST-Hebungsinfarkt zu beobachten war."

14 Prozent der jungen Infarktpatienten im Vergleich zu einer Rate von neun Prozent bei älteren Patienten mit ST-Hebungsinfarkt waren noch vor Erreichen des Krankenhauses reanimiert worden.

"Unsere Ergebnisse zeigen, dass trotz vermehrter Aufklärungskampagnen die Häufigkeit von ST-Streckenhebungsinfarkten bei jungen Menschen unverändert konstant bleibt und mit einer hohen Morbidität und Mortalität vergesellschaftet ist", so Mata-Marin in der Mitteilung.

"Bei dieser Patientengruppe fällt als potenziell vermeidbarer Risikofaktor extrem häufig ein ausgeprägter Nikotinkonsum auf." (eb)

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