Ärzte Zeitung, 23.04.2015

DGIM-Präventionspreis

Plötzlicher Herztod kündigt sich im EKG an

Mit bloßem Auge sind die Unregel­mäßigkeiten im EKG nicht sichtbar - ein spezieller Algorithmus bringt sie aber ans Licht. Diese Erkenntnis könnte Risikopatienten künftig vor dem plötzlichen Herztod bewahren. Dafür sind Münchner Forscher jetzt mit dem DGIM-Präventionspreis ausgezeichnet worden.

MANNHEIM. Wissenschaftler um Professor Axel Bauer aus München haben ein EKG-Phänomen entdeckt, das Rückschlüsse auf das Risiko für den plötzlichen Herztod erlaubt und helfen könnte, Hochrisikopatienten frühzeitig zu erkennen und vorbeugend zu behandeln.

Für das neue Analyseverfahren ist Bauer von der Deutschen Stiftung Innere Medizin (DSIM) gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) beim DGIM-Kongress mit dem Präventionspreis 2015 ausgezeichnet worden.

Überaktivität des sympathischen Nervensystems

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Aus experimentellen und klinischen Studien ist bekannt, dass eine Überaktivität des sympathischen Nervensystems wesentlich zu einer Destabilisierung der Repolarisation im Myokard beiträgt. Sympathische Nerven geben ihre Impulse aber nicht gleichmäßig ab, sondern in Schüben, die als Cluster bezeichnet werden.

Bauer, leitender Oberarzt der 1. Medizinischen Klinik des Klinikums der Universität München, und sein Team stellten dabei fest, dass die Cluster die T-Welle des EKGs verändern. Diese Veränderungen sind mit dem bloßen Auge nicht sichtbar. Sie lassen sich aber mit einem von Bauer entwickelten Algorithmus quantifizieren.

Die Forscher bezeichnen diese niederfrequenten Modulationen der kardialen Repolarisation, die im 10-Sekunden- bis Minutentakt auftreten, als "Periodic Repolarization Dynamics (PRD)".

Sie konnten zeigen, dass die PRDs ein eigenständiges Phänomen sind, das mit anderen EKG-Verfahren wie Messung der Herzfrequenzvariabilität nicht aufzuspüren ist.

PRDs lassen sich bei gesunden Menschen beispielsweise durch einen "Kipptischversuch" auslösen und durch Betablocker verhindern.

Präventionsmaßnahmen möglich

Im nächsten Schritt untersuchte Bauer zusammen mit Kollegen aus Finnland, in welcher Beziehung PRDs zum Überleben von Menschen nach einem Herzinfarkt steht.

Festgestellt wurde, dass Patienten mit einer erhöhten PRD als Zeichen einer gesteigerten Sympathikusaktivität ein nahezu fünffach erhöhtes Risiko hatten, innerhalb der nächsten fünf Jahre zu sterben.

Dabei konnten anhand der PRD Risikopatienten identifiziert werden, die mit anderen Methoden der Risikoabschätzung nicht erkannt worden wären (Journal of Clinical Investigation 2014; 124(4): 1770-80).

"Das von Professor Bauer entwickelte Verfahren identifiziert eine Gruppe von Hochrisikopatienten, denen möglicherweise mit präventiven Maßnahmen geholfen werden könnte", wird Professor Ulrich R. Fölsch, Generalsekretär der DGIMaus Kiel, in einer DGIM-Mitteilung zitiert.

Möglich sei etwa, dass die Implantation eines ICD diese Menschen vor einem drohendenHerztod bewahren könnte.DSIM und DGIM zeichnen mit dem Präventionspreis, der mit 10.000 Euro dotiert ist, jährlich die nach ihrer Einschätzung beste aus dem deutschsprachigen Raum vorgelegte Arbeit auf dem Gebiet der Primär- und Sekundärprävention innerer Erkrankungen.

Überreicht wurde den Preis am 19. April 2015 beim 121. Jahreskongresses der DGIM in Mannheim. (ob)

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