Ärzte Zeitung, 18.06.2015

KHK-Patienten

Lebensstil und Arzneien gegen Infarktgefahr

Was lohnt sich, um das hohe Infarktrisiko bei KHK zu senken? Fakten gab's beim Praxis-Update.

HAMBURG. Ein gesunder Lebensstil hat einen sehr großen Effekt auf die Prognose bei KHK, hat Professor Carsten Tschöpe aus Berlin beim Allgemein-Mediziner-Praxis-Update in Hamburg betont.

Sowohl für Rauchstopp als auch für gesunde Ernährung und moderates Ausdauertraining wurden in Studien relative Risikoreduktionen für kardiovaskuläre Ereignisse von bis zu 50 Prozent belegt.

Fünf bis zehn Minuten Training täglich wirkten bereits präventiv, so der Kardiologe. Bei intensiver körperlicher Aktivität (über zehn Stunden pro Woche) steige aber die Mortalität wieder. Ob regelmäßiger Rotweinkonsum und die Rate kardiovaskulärer Ereignissen tatsächlich zusammenhängen, sei fraglich.

In der InCHIANTI-Studie korrelierten Urin-Metabolite von Resveratrol - das Antioxidans in roten Trauben, das mit einer Reduktion des kardiovaskulären Risikos in Verbindung gebracht wird - weder mit inflammatorischen Parametern noch mit kardiovaskulären Ereignissen.

Cholesterinsenkung ist das A und O

Standard ist bei KHK-Patienten die Einstellung des LDL-Cholesterins auf unter 70 mg/dl (relative Reduktion des Risikos für kardiovaskuläre Komplikation bis zu 30 Prozent), die Blutdruckeinstellung bei Hypertonie mit RAS-Hemmern (bis zu 20 Prozent) und die Gabe von ASS (bis zu 20 Prozent).

"Je tiefer das LDL-Cholesterin gesenkt wird, desto besser ist die Prognose", betonte Tschöpe. Dies sei durch aktuelle Untersuchungen wie der IMPROVE-IT-Studie eindeutig belegt worden. Reichen Statine nicht aus, kommen als Partner Ezetimibe und künftig auch PCSK9-Hemmer in Frage.

Nur 40 bis 60 Prozent der Angina-pectoris-Patienten würden durch eine optimale medikamentöse Basistherapie oder durch interventionelle Verfahren beschwerdefrei. Deshalb hat eine zusätzliche Behandlung mit Antianginosa einen hohen Stellenwert.

Es stehen fünf Substanzklassen zur Verfügung - Betablocker, Kalzium-Antagonisten, Nitrate, Ivabradin, Ranolazin -, die nach individuellen Kriterien wie Blutdruck und Herzfrequenz zur Symptomlinderung eingesetzt werden sollten.

Eine Prognoseverbesserung sei für alle Substanzen nicht durch Daten belegt, sagte Tschöpe. (rf)

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