Ärzte Zeitung, 03.09.2015

Kommentar zur Angiographie

CT-Röhre statt Herzkatheter

Von Philipp Grätzel von Grätz

Nicht einmal bei jeder zweiten Herzkatheteruntersuchung wird tatsächlich ein Stent gesetzt oder ein Ballon aufgeblasen. Das ist in Deutschland nicht anders als in anderen Ländern.

Trotz Herzbildgebung ist es aber bisher nicht gelungen, diese Quote zu senken. Die jetzt in London vorgestellte PLATFORM Studie könnte sich einmal als Wendepunkt erweisen.

Sie kombiniert die CT-Angiografie mit einer Bestimmung der fraktionellen Flussreserve und liefert so gleichzeitig hoch präzise anatomische und funktionelle Informationen über alle drei Koronararterien, inklusive kleinerer Äste.

Das ging bisher nicht. In der PLATFORM-Studie konnte der Anteil der Patienten mit letztlich unauffälliger Angiografie um mehr als drei Viertel gesenkt werden. Das ist gewaltig.

Aber es gibt ein paar Vorbehalte: Die Studie war nicht randomisiert. Die Methode ist noch verbesserungsfähig, sie ist außerdem extrem aufwändig. Selbst Hochleistungsrechner brauchen dafür die ganze Nacht.

Dennoch: Die Erstdiagnostik der KHK bei mittlerer Prätestwahrscheinlichkeit außerhalb von Notfallsituationen wird in Zukunft standardmäßig nicht-invasiv erfolgen. Vielleicht nicht morgen, aber in einigen Jahren mit Sicherheit.

Lesen Sie dazu auch:
Bei KHK-Verdacht: Neues Verfahren erspart den Herzkatheter-Eingriff

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Zahl der Behandlungsfehler stagniert

"Fehler passieren, auch in der Medizin. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass Patienten durch einen Behandlungsfehler zu Schaden kommen, ist extrem gering." So lautete das Fazit von Dr. Andreas Crusius bei der Vorstellung der Behandlungsfehlerstatistik. mehr »

Naturvolk mit erstaunlich gesunden Gefäßen

In einer geradezu heroischen Studie haben US-Forscher Eingeborene der Amazonas-Region zur Calcium-Score-Messung in einen CT-Scanner geschoben. Noch nie wurde ein Volk mit so gesunden Arterien beschrieben. mehr »

Dann ist ein Hausbesuch abrechenbar

Die vollständige und vor allem korrekte Abrechnung der so genannten Leichenschau stellt Ärzte immer wieder vor Probleme. Beispielsweise stellt sich die Frage nach der eigenständigen Berechnung des Hausbesuchs. mehr »