Ärzte Zeitung, 27.04.2016

Postinfarkt

Patienten profitieren von verlängerter Prävention

Von Katharina Arnheim

MANNHEIM. In der Akutphase und im ersten Jahr nach Herzinfarkt wurden durch pharmakologische und interventionelle Innovationen erhebliche Fortschritte erzielt. Nachbesserungsbedarf besteht jedoch nach den Worten von Professor Meinrad Gawaz, Universität Tübingen, in den Folgejahren: Bis Ende des dritten Jahres nach Herzinfarkt sterben weiterhin 15-20 Prozent der Patienten.

Als langfristig besonders gefährdet charakterisierte Gawaz bei einer vom Unternehmen AstraZeneca unterstützten Veranstaltung Postinfarkt-Patienten mit zusätzlichen Risikofaktoren wie Multigefäßerkrankung, Niereninsuffizienz oder Diabetes mellitus.

Die Phase-III-Studie PEGASUS-TIMI 54 hat kürzlich mit der verlängerten Sekundärprävention mit Ticagrelor (Brilique®) eine effektive Option für die Prognoseverbesserung dieser Hochrisikopatienten aufgezeigt (NEJM 2015; 372: 1791-1800).

In die Studie wurden 21.162 Patienten mit einem 1-3 Jahre zurückliegenden Herzinfarkt und mindestens einem atherothrombotischen Risikofaktoren (etwa Alter ≥ 65 Jahre, Diabetes, chronische Nierenerkrankung) aufgenommen, berichtete Professor Harald Darius, Vivantes Klinikum Neukölln, Berlin. Sie erhielten in drei Armen randomisiert zusätzlich zu niedrig dosierter ASS Ticagrelor in Dosen von 90 mg oder 60 mg zweimal pro Tag oder Placebo. Der kombinierte primäre Endpunkt beinhaltete kardiovaskulären Tod, Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Nach 36-monatigem Follow-up lag die Ereignisrate unter Placebo bei 9,04 Prozent, unter Ticagrelor bei 7,85 (80 mg) bzw. 7,77 Prozent (60 mg). Dies entspricht einer signifikanten Senkung des relativen Risikos für den primären Endpunkt durch Ticagrelor in der zulassungsrelevanten Dosierung von 60 mg zweimal täglich um 16 Prozent gegen Placebo.

Ticagrelor war Placebo auch bei den Einzelkomponenten des kombinierten Endpunktes und in allen klinisch relevanten Subgruppen überlegen. "Damit besitzt Ticagrelor eine konsistente Wirksamkeit in der prolongierten Therapie von Postinfarkt-Patienten mit hohem Risiko", so Darius. Er plädierte dafür, diese Patienten direkt im Anschluss an die einjährige duale Plättchenhemmung mit ASS plus Ticagrelor 90 mg ohne Therapiepause auf Ticagrelor 60 mg umzustellen. Ticagrelor 60 mg ist seit 1. April 2016 im deutschen Markt erhältlich.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »