Ärzte Zeitung, 30.06.2016

Einsamkeit

Gefährlich für Herz und Hirn

Soziale Isolierung und Einsamkeit könnten offenbar das Risiko für einen Herzinfarkt und Schlaganfall erhöhen, wie aus einer Metaanalyse hervorgeht. Die beiden Faktoren haben damit einen ähnlichen Stellenwert in der Krankheitsgenese wie Angststörungen und Belastungen im Beruf.

Von Peter Leiner

Gefährlich für Herz und Hirn

Einsame Menschen neigen unter anderem dazu, sich weniger zu bewegen.

© canonboy / fotolia.com

YORK. Soziale Isolierung und Einsamkeit erhöhen das Risiko für eine koronare Herzkrankheit und einen Schlaganfall, wie aus den Ergebnissen einer Metaanalyse hervorgeht.

Die beiden Faktoren haben damit einen ähnlichen Stellenwert in der Krankheitsgenese wie Angststörungen und Belastungen im Beruf.

Wissenschaftler gehen aufgrund der Ergebnisse psychosozialer Forschung davon aus, dass Einsamkeit und soziale Isolation durch psychologische und physiologische Mechanismen sowie bestimmte Verhaltensmuster die Gesundheit beeinträchtigen.

Zum Beispiel fördern beide Faktoren körperliche Inaktivität und Rauchen. Zudem haben mehrere Studien vor wenigen Jahren gezeigt, dass das Gefühl der Einsamkeit und der sozialen Isolation zu einer Schwächung der Immunabwehr und erhöhtem Blutdruck führen, wie britische Gesundheitsforscher um Nicole K. Valtorta von der Universität von York berichten (Heart 2016; online 19. April).

Unklar war bisher, wie sehr Einsamkeit und soziale Isolation die Entwicklung von KHK-Ereignissen und Schlaganfall begünstigen.

Um den Zusammenhang zu überprüfen, unternahmen die Wissenschaftler eine Metaanalyse von elf Studien zu KHK und acht Studien zu Schlaganfällen.

Bei allen Untersuchungen handelt es sich um Längsschnittstudien in den Jahren 1965 bis 1996 mit insgesamt mehr als 180.000 Teilnehmern und einem Follow-up zwischen drei und 21 Jahren.

38 Prozent der Patienten stammten aus Europa, 33 Prozent aus Nordamerika und jeder Vierte aus Japan oder dem asiatischen Teil Russlands.

Knapp 3800 KHK-Ereignisse

Nach Angaben von Valtorta und ihren Kollegen kam es in den elf Studien zu knapp 3800 KHK-Ereignissen, wobei der Fokus der meisten Untersuchungen auf Herzinfarkten lag.

Ihren statistischen Berechnungen zufolge betrug das relative Risiko (RR) für ein erstmaliges KHK-Ereignis im Vergleich zu Studienteilnehmern, die sich nicht einsam und nicht sozial isoliert fühlten, 1,29 (96%-Konfidenzintervall zwischen 1,04 und 1,59).

Die Wahrscheinlichkeit vor allem für einen Herzinfarkt war somit um 29 Prozent erhöht. Höher war das aufgrund der Ergebnisse von acht Studien ermittelte Risiko, erstmals einen Schlaganfall zu erleiden. Hier errechneten die Wissenschaftler ein RR von 1,32 (95%-Konfidenzintervall zwischen 1,04 und 1,68).

Die Forscher weisen darauf hin, dass der ermittelte Zusammenhang zwischen unzureichenden zwischenmenschlichen Beziehungen und dem KHK-Risiko - gleich ob bei Männern oder Frauen, - in etwa dem entspricht, der bereits bei anderen psychosozialen Faktoren wie Angststörungen und Belastung durch den Beruf beobachtet worden ist.

Einen kausalen Zusammenhang kann man aus den Ergebnissen jedoch nicht ablesen. Valtorta und ihre Kollegen glauben dennoch, dass die Überwindung von Einsamkeit und sozialer Isolation dazu beitragen kann, das KHK- und Schlaganfall-Risiko zu senken.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »