Ärzte Zeitung, 01.09.2004

BNP-Test wird in Hausarztpraxen geprüft

Hormontest weist Herzinsuffizienz schnell nach

MÜNCHEN (gvg). Bei Patienten, die mit akuter Atemnot in die Notaufnahme kommen, kann ein BNP-Schnelltest mit großer Sicherheit eine Herzinsuffizienz als Ursache dingfest machen oder ausschließen. Die Studie BASEL III soll jetzt klären, wie groß der Nutzen des Tests in der Hausarztpraxis ist.

BNP (Brain-derived Natriuretic Peptide) ist ein Gewebshormon, das im Herzen freigesetzt wird, wenn der Druck in den Herzkammern steigt. Mit einem Schnelltest kann der Blutgehalt an BNP rasch ermittelt werden.

"Werte von über 100 Pikogramm pro Milliliter (pg/ml) EDTA-Blut sind mit über 90prozentiger Wahrscheinlichkeit ein Hinweis auf eine akute Dekompensation als Ursache der Luftnot", sagte Professor Christian Müller von der Universitätsklinik Basel auf dem Europäischen Kardiologie-Kongreß in München. Werte deutlich unter 100 pg/ml schlössen eine kardiale Ursache der Luftnot weitgehend aus.

In der von Müller geleiteten BASEL-I-Studie konnte der Kardiologe belegen, daß sich mit Hilfe des BNP-Tests als zusätzliches Diagnoseverfahren bei akuter Luftnot in der Notaufnahme eines Krankenhauses die Zeit bis zur Einleitung einer adäquaten Therapie von 90 auf 63 Minuten senken ließ.

Die durchschnittliche Zeit bis zur Entlassung konnte von elf auf acht Tage reduziert werden (NEJM 350, 2004, 647). Ob sich dieser Nutzen auch einstellt, wenn der BNP-Schnelltest von Hausärzten eingesetzt wird, möchte Müller jetzt in der BASEL-III-Studie klären. In der BASEL-II-Studie wird die Anwendung auf Intensivstationen geprüft.

"Blind vertraut werden sollte dem BNP-Test aber nicht", so Müller auf der vom Unternehmen Bayer HealthCare unterstützten Veranstaltung, das den Test als Advia Centaur® BNP anbietet.

Vor allem bei Niereninsuffizienz ist Vorsicht geboten. Müller: "Bei einer glomerulären Filtrationsrate von unter 60 ml pro Minute verschiebt sich der BNP-Grenzwert auf 200 bis 250 pg/ml Blut". Auch bei über 65jährigen ist der BNP-Grenzwert erhöht. Er liege dann bei etwa 150 pg/ml, so Müller. Vor einer Aufnahme dieser Grenzwerte in offizielle Leitlinien seien aber noch weitere Studien erforderlich.

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