Forschung und Praxis, 06.05.2005

Wenn beide Ventrikel nicht mehr synchron kontrahieren

Neue Therapieoption bei Herzinsuffizienz rettet Leben

Die kardiale Resynchronisationstherapie (KRT) ist ein neues Therapieverfahren, von dem bis zu 30 Prozent aller Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz profitieren könnten.

Kardiale Synchronisationstherapie: Durch Abgabe elektrischer Impulse über Elektroden
an den Herzmuskel werden die asynchronen Kontraktionen der beiden Ventrikel sowohl untereinander als auch im Bezug zu den Vorhöfen koordiniert.
Foto: Medtronic

So hoch wird der Anteil derjenigen Patienten geschätzt, bei denen eine Störung der intrakardialen Erregungsleitung besteht, die wiederum ein asynchrones Pumpverhalten der beiden Ventrikel zur Folge hat, was die eingeschränkte Pumpleistung weiter verschlechtert. Erkennbar ist die Reizleitungsstörung an einer Verbreiterung des QRS-Komplexes im EKG, zumeist in Form eines Linksschenkelblocks.

Mittels der KRT wird diese sogenannte interventrikuläre Asynchronie per Schrittmacherstimulation elektrisch korrigiert und der Kontraktionsverlauf wieder koordiniert. Dies verbessert die Herzleistung, verringert Symptome wie Atemnot und erhöht Belastbarkeit und Lebensqualität.

Patienten mit Herzinsuffizienz im NYHA-Stadium III / IV ausgewählt

Eine internationale Forschergruppe um Professor John Cleland hat in der CARE-HF-Studie (Cardiac Resynchronisation - Heart Failure) den Einfluß der KRT auf Morbidität und Mortalität untersucht. Insgesamt 813 Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz (NYHA-Stadium III / IV) und interventrikulärer Asynchronie wurden für die Studie ausgewählt.

Bei jedem zweiten Teilnehmer wurde ein Gerät für die Resynchronisation unter die Haut implantiert, das die Größe einer flachen Streichholzschachtel hat und über drei Elektroden mit dem Herzen verbunden ist. Alle Studienteilnehmer erhielten die bestmögliche medikamentöse Therapie. Die mittlere Dauer der Verlaufsbeobachtung betrug 2,5 Jahre.

Gesamtmortalität signifikant um 36 Prozent gesenkt

Primärer kombinierter Endpunkt waren die Ereignisse Tod sowie durch kardiovaskuläre Komplikationen bedingte Klinikeinweisungen. In der Kontrollgruppe betrug die Rate dieser Ereignisse am Ende 55 Prozent, im Vergleich zu 39 Prozent in der Gruppe mit KRT. Dies entspricht einer signifikanten Reduktion um 37 Prozent durch Resynchronisation, berichtete Cleland.

Die Rate für die Gesamtsterblichkeit wurde im Studienzeitraum von 30 Prozent in der Kontrollgruppe durch KRT auf 20 Prozent gesenkt - eine wiederum signifikante Reduktion um 36 Prozent. Der günstige Einfluß auf Symptomatik und Lebensqualität wurde erneut bestätigt.

Die mit der KRT additiv zum Nutzen der medikamentösen Standardtherapie erzielte Reduktion der Sterblichkeit entspreche dem prognostischen Benefit der Betablocker bei Herzinsuffizienz, konstatierte Cleland. Durch Implantation von neun Geräten lassen sich nach seiner Kalkulation ein Todesfall und drei Klinikeinweisungen infolge schwerer kardiovaskulärer Komplikationen vermeiden. (ob)

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