Forschung und Praxis, 19.12.2005

Bei Herzinsuffizienz auf den Hund gekommen

Studie zur positiven Wirkung der putzigen Vierbeiner

Tierisch gute Therapieoption bei Herzinsuffizienz. Foto: PhotoDisc

Ein Team von US-Forschern ist bei seiner Suche nach neuen Behandlungsmöglichkeiten für Herzkranke im wörtlichen Sinn "auf den Hund gekommen". Nach ihren in Dallas präsentierten Studiendaten sind die lieben Vierbeiner bestens geeignet, die Befindlichkeit von Patienten mit Herzinsuffizienz meßbar zu verbessern.

Für das von diesem Team geplante und realisierte Experiment sind 76 stationär in einer Klinik behandelte Patienten mit Herzinsuffizienz ausgewählt und in drei Gruppen eingeteilt worden. Ein Drittel erhielt regelmäßig für eine exakt auf zwölf Minuten festgelegte Dauer Besuch von einem freiwilligen Helfer in Begleitung eines Hundes.

Zwölf Hunderassen - vom Pudel über Schnauzer bis zum Golden Retriever - kamen zum Einsatz. Die vierbeinigen Begleiter, die zuvor einen Verhaltenstest zu bestehen hatten und speziell trainiert waren, wurden neben oder auf dem Bett plaziert, um vom Patienten gekrault oder angesprochen werden zu können.

Patienten der zweiten Gruppe wurden für die gleiche Dauer allein vom freiwilligen Helfer ohne Hundebegleitung besucht. In der dritten Gruppe schließlich ließ sich weder Helfer noch Hund am Krankenbett blicken.

Hunde wurden auf oder neben dem Krankenbett plaziert

Auf subjektive Auskünfte über vermeintlich verspürte Wirkungen wollte man sich in dieser Studie nicht allein verlassen. Vielmehr kam es den Untersuchern auf objektivierbare Reaktionen auf die "Animal-Assisted Therapy" (AAT) an.

Also wurden vor, während und nach den Besuchen Parameter der kardialen Hämodynamik, des Lungendrucks und der neuroendokrinen Aktivierung gemessen. Mittels standardisiertem Fragebogen verschafften sich die Untersucher zudem einen Eindruck vom Grad der Ängstlichkeit der Patienten.

Alle Befunde lassen darauf schließen, daß Bello und Fifi tatsächlich eine entspannende Wirkung auf Gemüt und Gefäße der Patienten ausübten. Gemessen an der Veränderung des per Fragebogen ermittelten Angst-Scores (Reduktion um 24 Prozent) wurde in der "Hundegruppe" eine deutliche Abschwächung von Angstgefühlen registriert.

Der vom "besten Freund des Menschen" ausgehende positive Effekt ließ sich auch anhand biochemischer oder funktioneller Parameter objektivieren. So sank der Spiegel des Streßhormons Adrenalin im Schnitt um 17 Prozent. Der Lungenkapillarenverschlußdruck als Maß für den Druck im linken Vorhof fiel um 10 Prozent und der systolische pulmonalarterielle Druck um 5 Prozent.

Entsprechende Veränderungen waren in den beiden Vergleichsgruppen entweder nur in deutlich geringerer Ausprägung (alleiniger Besuch des Helfers) oder gar nicht nachweisbar (Gruppe ohne jeden Besuch). (ob)

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