Ärzte Zeitung, 16.05.2006

Therapie bei Herzinsuffizienz hat noch Optimierungschancen

Europaweite Befragung von Hausärzten / ACE-Hemmer und Betablocker noch zu selten verordnet / Apparative Diagnostik bei Insuffizienz-Verdacht

LUDWIGSHAFEN (Rö). Moderne Kombinations-Therapien bessern die Prognose von Patienten mit Herzinsuffizienz. Aber nur, wenn sie den Patienten auch zugute kommen, und wenn die Erkrankung frühzeitig diagnostiziert wird.

Daß es hier bei beidem noch Optimierungschancen gibt, belegt eine europaweite Umfrage unter anderen bei Hausärzten. Ihre Ergebnisse dazu hat die internationale Studiengruppe SHAPE (Study Group on Heart Failure Awareness and Perception in Europe) jetzt beim Kongreß für Versorgungsforschung in Ludwigshafen vorgestellt.

Die bei 331 deutschen Allgemeinärzten erhobenen Daten hat Dr. Christian Zugck von der Universitätsklinik Heidelberg vorgestellt. Bei den Fragen zur Diagnostik bei Herzinsuffizienz ergab sich, daß 88 Prozent der Ärzte zustimmten, daß die Diagnose häufig nur anhand von Symptomen oder Krankheitszeichen gestellt wird. Jeweils zwei Drittel stimmten zu, daß zusätzliche Untersuchungen, wie sie in den Europäischen Leitlinien vorgesehen sind, also EKG, Thorax-Röntgen oder Echokardiographie zur Diagnose einer Herzinsuffizienz nötig sind.

Bei den Antworten zur Behandlung fällt auf, daß auf die Frage "Mit welcher Behandlung beginnen sie?" 39 Prozent sich für Diuretika entscheiden, 27 Prozent für einen ACE-Hemmer. 22 Prozent verordneten einen ACE-Hemmer plus Diuretikum und 2 Prozent einen Betablocker. Drei Viertel meinen, daß Betablocker die Herzinsuffizienz verschlechtern könne.

Wie Zugck der "Ärzte Zeitung" gesagt hat, empfiehlt er, mehr auch auf Symptome wie nächtliche Atembeschwerden zu achten. Bei Verdacht rät er, auch auf apparative Diagnostik gemäß den Leitlinien zu setzen. Und Patienten sollten ACE-Hemmer und Betablocker - ausreichend dosiert - nicht vorenthalten werden.

Topics
Schlagworte
Herzschwäche (690)
Krankheiten
Herzschwäche (1953)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Hypertonie in jungen Jahren erhöht Risiko für den Nachwuchs

Das Alter, in dem sich ein Bluthochdruck manifestiert, beeinflusst nicht nur die persönliche Prognose eines Patienten, sondern wohl auch das Erkrankungsrisiko seiner Kinder. mehr »

Medienanamese künftig Bestandteil der U-Untersuchungen?

Schon bei Babys und Kleinkindern machen sich die Folgen übermäßigen Medienkonsums bemerkbar. Das geht aus der neuen BLIKK-Studie hervor. Pädiater reagieren besorgt. mehr »

Deutsche überschätzen Ebola-Gefahr und unterschätzen Masern

Im Mittelpunkt medialer Berichterstattung stehen meist große globale Bedrohungen wie Ebola und Zika. Doch Experten haben ganz andere übertragbare Erkrankungen im Visier. mehr »