Ärzte Zeitung, 06.05.2008

Schrittmacher punktet bei leichter Herzinsuffizienz

Studie mit mehr als 600 Patienten belegt Nutzen

MÜNCHEN (wst). Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz und ventrikulärer Dyssynchronie profitieren bekanntlich bei Prognose und Lebensqualität von einer Kardialen Resynchronisationstherapie (CRT). Neu ist, dass die Schrittmachertechnik bereits für Patienten mit leichter Herzinsuffizienz und einem gestörten Zusammenspiel der Herzkammern von Nutzen ist.

Belegt wurde der Nutzen dieser Schrittmachertherapie in der REVERSE*-Studie. Das hat Professor Andreas Schuchert aus Neumünster aus Anlass des Symposiums "Aktuelle Kardiologie" in München betont.

Wie er in seinem Rückblick zu den Highlights beim US-amerikanischen Kardiologen-Kongress (ACC) in Chicago berichtete, waren in die Studie REVERSE insgesamt 610 Patienten mit einer Herzinsuffizienz der NYHA Stadien I oder II und ventrikulärer Dyssynchronie mit einem verbreiterten QRS-Komplex von 120 ms und mehr aufgenommen worden. Zusätzlich zu einer optimierten medikamentösen Therapie bekamen alle Patienten einen Schrittmacher mit CRT-Funktion implantiert. Der Schrittmacher war allerdings nur bei 419 Studienteilnehmern aktiviert. Die anderen 191 Patienten mit deaktiviertem CRT-Schrittmacher dienten als Placebo-Gruppe.

Therapie senkt das Risiko für stationäre Behandlung.

Als primärer Endpunkt war eine Kombination aus Mortalität, Krankenhausaufnahme und Veränderung in der NYHA-Klasse definiert, wie Schuchert bei der von MSD und Essex Pharma unterstützten Veranstaltung berichtete. Danach hatte sich im Verlauf von zwölf Monaten in der Gruppe mit ausgeschaltetem CRT-Schrittmacher die klinische Situation bei 40 Prozent der Patienten verbessert, bei 39 Prozent war sie gleich geblieben, und bei 21 Prozent hatte sie sich verschlechtert.

Unter den Patienten mit aktiviertem CRT-Schrittmacher war dagegen im gleichen Zeitraum bei 54 Prozent eine Verbesserung, bei 30 Prozent ein gleich gebliebener klinischer Status und nur bei 16 Prozent eine Verschlechterung zu verzeichnen. Im Verlauf der zwölf Studienmonate mussten fast zehn Prozent der Patienten mit deaktivierter CRT-Funktion wegen Herzinsuffizienz stationär aufgenommen werden. Dagegen war in der Gruppe mit aktivierter CRT-Funktion der Anteil jener Patienten, die stationär betreut werden mussten, im gleichen Zeitraum weniger als halb so groß.

Um die Herzinsuffizienz-Progression zu bremsen, ist es der REVERSE-Studie zufolge somit offenbar sinnvoll, Patienten mit Linksschenkelblock bei einer QRS-Breite von mindestens 120 ms unabhängig vom Stadium der Herzinsuffizienz mit einem CRT-Schrittmacher zu versorgen.

*REVERSE: Resynchronization reverses Remodeling in Sytemic left ventricular Dysfunction

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