Ärzte Zeitung online, 30.12.2008

Neuer Test ermöglicht bessere Einschätzung bei Herzinsuffizienz

NEW ORLEANS (ob). Ein neuer Bluttest, mit dem der Biomarker MR-proADM (Mid Regional pro-Adrenomedullin) bestimmt wird, ermöglicht offenbar präzisere Einschätzungen zum Krankheitsverlauf bei Patienten mit akuter Herzinsuffizienz als die bisherigen Standardtests.

In einer neuen Studie übertraf der MR-proADM-Test in puncto prognostische Genauigkeit die herkömmlichen Biomarker BNP und NT-proBNP. Nach Ansicht von Studienleiter Professor Stefan Anker von der Berliner Charité biete sich damit für Ärzte im notfallmedizinischen Bereich eine bessere Möglichkeit, schwer kranke Patienten mit Herzinsuffizienz frühzeitig zu erkennen und rasch einer intensiven Behandlung zuzuführen.

MR-proADM ist ein stabiler Surrogatmarker für die Freisetzung des sehr instabilen Peptidhormons Adrenomedullin im Körper. Adrenomedullin ist ein Vasodilatator und gilt als Marker für den Status der Mikrozirkulation und des Gefäßendothels.

An der von Anker beim Kongress der American Heart Association (AHA) in New Orleans vorgestellten Studie waren 1641 Patienten beteiligt, die zur Abklärung einer Dyspnoe in die Notfallambulanz kamen. Bei 568 Patienten stellte sich eine akute Herzinsuffizienz als Grund für die Kurzatmigkeit heraus, bei 1073 Patienten lagen andere Ursachen vor. Geklärt werden sollte, ob die MR-proADM-Messung bei den Patienten mit Dyspnoe und Herzinsuffizienz genauere Voraussagen zur Mortalität innerhalb der nächsten 90 Tage ermöglicht als die BNP- oder NT-proBNP-Messung.

Wie Anker berichtete, besaß MR-proADM als Prädiktor für die Mortalität eine signifikant höhere prognostische Aussagekraft als BNP und NT-proBNP. Stärke bewies er vor allem bei der Abschätzung der Kurzzeitprognose innerhalb der ersten vier Wochen, so Anker. Die MR-proADM-Bestimmung sei somit hilfreich bei der Erkennung von Patienten mit Herzinsuffizienz, die wegen ihres sehr hohen Risikos "in die vorderste Linie" der medizinischen Versorgung gehörten.

Wasser in den Wein goss allerdings Professor Milton Packer aus Dallas im US-Staat Texas als Diskutant der Studienergebnisse. Nach seiner Ansicht hat die präzisere Risikostratifizierung keine Konsequenzen für die Therapie. Egal, ob ein hohes oder sehr hohes Risiko bestehe - jeder Patient mit Herzinsuffizienz stehe "in vorderster Linie" und sollte stets die bestmögliche Therapie erhalten.

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