Ärzte Zeitung online, 16.04.2009

Kardiologen fordern Versorgungsnetz bei Herzschwäche

MANNHEIM/HANNOVER (dpa). Menschen mit einer chronischen Herzschwäche werden nach Angaben von Kardiologen in Deutschland unzureichend versorgt. "Der Patient mit einer Herzinsuffizienz fällt durchs Netz", sagte Prof. Helmut Drexler aus Hannover in einem Gespräch mit der dpa.

Die rund 1,6 Millionen Erkrankten hätten unter einer fehlenden Vernetzung von ambulanter und stationärer Betreuung zu leiden. Eine Verbesserung dieser Situation sei ein zentrales Anliegen der 75. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) in Mannheim, die von diesem Donnerstag bis Samstag dauert.

Wesentlichen Anteil an der Misere trägt laut Tagungspräsident Drexler die Abrechnungspraxis in Deutschland. "Unser Gesundheitssystem belohnt keine engmaschige Betreuung des Patienten", erklärte er. "Der Versuch, Vorhofflimmern zu beseitigen, ist dem Gesundheitswesen sehr viel wert. Auch eine Bypass-OP bringt Geld." Das Interesse an einem angemessenen Management, um Klinikaufenthalte bei einer Herzschwäche zu vermeiden, sei dagegen gering.

"Hier wollen wir als Gesellschaft ansetzen", betonte der Kardiologe. "Die verschiedenen Mediziner, Politik, Krankenhäuser und Kassen müssen an einem Strang ziehen. Bislang vertreten alle nur ihre Einzelinteressen." In Skandinavien gebe es beispielsweise eine intensive und finanziell leistbare Betreuung durch Krankenschwestern.

Ergänzt werden könne ein derartiges System durch moderne Technik. So werde derzeit in Deutschland an 1000 Patienten der Einsatz spezieller Sensoren erprobt. "Getragen wird er von Patienten, die ohnehin einen Schrittmacher haben. Das Gerät informiert, sobald Wasser in die Lunge geht", erklärte der Direktor der Klinik für Kardiologie und Angiologie an der Medizinischen Hochschule Hannover.

Forschungsarbeit wie diese sei neben der medizinischen Betreuung unabdingbar. "Während in den vergangenen 20 Jahren große Fortschritte gemacht wurden, ist inzwischen ein erheblicher Stillstand eingetreten", meinte Drexler. Dies müsse sich ändern. Erforderlich seien eine bessere finanzielle Unterstützung und die Errichtung eines Deutschen Herzforschungszentrums nach Vorbild des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg.

Ein wichtiger Ansatz ist laut Drexler die Stammzell-Forschung. "Langfristig ist das die Richtung." Es werde aber noch viele Jahre dauern, bis eine Therapie mit Hilfe von Stammzellen erreicht sei. "Das ist wie mit dem Fliegen. Das hat auch gebraucht", meinte er. "So lange müssen wir versuchen, die vorhandenen Möglichkeiten ausschöpfen und zu optimieren."

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