Ärzte Zeitung, 14.01.2010

Überbrückungssysteme ersetzen bei Herzschwäche die Organfunktion

Mechanische Systeme übernehmen bei terminaler Herzinsuffizienz die Herzfunktion. Die Patienten können damit Rad fahren oder mit den Enkeln spielen.

Von Wiebke Kathmann

MÜNCHEN (kat). Die gute Botschaft vom P-C-I-Kongress in München zum Thema chirurgische Verfahren bei terminaler Herzinsuffizienz lautet: Es gibt ein Danach nach dem linksventrikulären Schrittmacher. Zudem sind sogenannte "Destination"-Systeme auf dem Vormarsch.

Die Behandlung bei der akuten und chronischen Herzinsuffizienz und auch die konventionelle Herzchirurgie haben in den letzten Jahren zwar deutliche Fortschritte gemacht. Dennoch nimmt die Rate der erforderlichen Herztransplantationen, um diese Patienten vor dem Tod zu bewahren, kontinuierlich zu.

Hand in Hand damit geht der immer häufigere Einsatz von mechanischen Überbrückungssystemen - sei es im Sinne einer "Bridge to Recovery", dass heißt bis zur Transplantation, oder als sogenanntes "Destination"-System, das die Herzfunktion für die restliche Lebenszeit übernimmt. Wie Professor Friedhelm Beyersdorf, Herzchirurg aus Freiburg, betonte, geht der Trend in Richtung "Destination"-Systeme. Ein Grund ist die wachsende Zahl an alten Herzinsuffizienz-Patienten mit Tumorerkrankungen, die aufgrund der dann notwendigen Immunsuppression keine Transplantation erhalten können.

Ein anderer Grund ist die Tatsache, dass Spenderherzen in Deutschland Mangelware sind. Daher müssten Patienten mit Herzinsuffizienz, nachdem sie auf der Transplantationsliste stehen, nicht selten bis zu vier Jahre lang warten, berichtete Beyersdorf.

Als weiterhin bestehende Herausforderung nannte Beyersdorf die richtige Patientenauswahl, die Tatsache, dass immer mehr Patienten voroperiert seien, was schwer zu stillende Flächenblutungen von der Narbenplatte aus nach sich ziehen kann.

Veloursmantel um Katheter senkt das Infektionsrisiko

Zudem besteht noch immer eine erhebliche verfahrensbedingte Morbidität, sprich Infektionen, Blutungen und Thromboembolien. Das Infektionsrisiko hält Beyersdorf für handhabbar seit die aus der Bauchdecke heraustretenden Kanülen mit Velours ummantelt sind. Es verwächst mit dem Subkutangewebe und dichtet die potenzielle Eintrittspforte ab.

Das Leben mit mechanischem Unterstützungssystem sei durchaus lebenswert. Es erlaube das Fahrradfahren oder Spielen mit Enkeln, erinnere aber durch die externe Energieversorgung oder beim Duschen immer wieder an die schwere Erkrankung.

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