Ärzte Zeitung online, 25.06.2010

Akupunktur macht Patienten mit Herzinsuffizienz belastbarer

HEIDELBERG (mut). Akupunktur wirkt offenbar auch bei Herzinsuffizienz: Die 6-Minuten-Gehstrecke der Patienten lässt sich damit deutlich verbessern - aber nur, wenn richtig genadelt wird.

Akupunktur macht Patienten mit Herzinsuffizienz belastbarer

Wirkt sie oder wirkt sie nicht? Zur Wirksamkeit der Akupunktur gibt es immer wieder unterschiedliche Studienergebnisse. Bei Herzinsuffizienz erwies sich die Heilmethode jetzt als wirksam.

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Ist es also doch nicht egal, wie genadelt wird? Zumindest in Studien mit Akupunktur bei Schmerzen war es weitgehend unerheblich, wo und wie die Nadeln gesetzt wurden. Vor Kurzem wurde sogar ein Mechanismus für diesen weitgehend unspezifischen Effekt postuliert: Das Nadeln setzt schmerzlindernde Transmitter wie Adenosin frei (wir berichteten).

Anders sieht es dagegen nach Daten einer aktuellen Studie bei Herzinsuffizienz aus. Hier müssen die Nadeln zumindest die Haut durchdringen, um zu wirken. Damit lässt sich zwar nicht die Auswurffraktion verbessern, aber immerhin die 6-Minuten-Gehstrecke, berichtet eine Arbeitsgruppe um Dr. Johannes Backs vom Uniklinikum Heidelberg (Heart online).

Die Wissenschaftler untersuchten 17 Patienten mit Herzinsuffizienz im NYHA-Stadium II bis III und einer linksventrikulären Auswurffraktion unter 40 Prozent. Der Zustand der Patienten war stabil, sie waren optimal medikamentös eingestellt. Ein Teil erhielt nun zehn Akupunktur-Sitzungen, in denen Akupunkturpunkte genadelt wurden, die nach Traditionell Chinesischer Medizin allgemein Kraft geben und gleichzeitig dafür bekannt sind, den Sympathikus, Parasympathikus sowie Entzündungsmarker zu beeinflussen. Die Kontrollgruppe wurde mit speziellen Placebo-Nadeln behandelt, die einen Nadelstich zwar simulieren, die Haut aber nicht durchdringen.

Das Ergebnis: Die 6-Minuten-Gehstrecke verlängerte sich mit echter Akupunktur um 32 Meter, mit Schein-Akupunktur blieb sie konstant. Der Unterschied war hochsignifikant. Er ließ sich allerdings nicht auf eine verbesserte Herzfunktion zurückführen, denn die Auswurffraktion blieb konstant niedrig. Dagegen verbessert sich die Herzfrequenzvariabilität. Zudem erholten sich die Patienten mit echter Akupunktur bei Belastungstest schneller und fühlten sich subjektiv weniger erschöpft.

Die Heidelberger Forscher vermuten, dass Akupunktur im vegetativen Nervensystem Dysbalancen ausgleicht, wie sie bei Herzinsuffizienz auftreten. Zudem verringerte Akupunktur in der Studie die Ausschüttung von Entzündungsmediatoren. So sanken die TNF-alpha-Spiegel drastisch nach der echten Akupunkturbehandlung. Da TNF alpha auch zur Abnahme von Muskelmasse und Muskelkraft führt, könnte sich das positiv auf die Skelettmuskelarbeit ausgewirkt haben, so die Autoren.

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