Ärzte Zeitung online, 05.08.2010

Schwächelt das Herz, altert das Gehirn schneller

BOSTON (ob). Der Funktionszustand des Herzens beeinflusst möglicherweise den Alterungsprozess des Gehirns. Lässt das Herz in seiner Pumpleistung nach, beschleunigt dies anscheinend die Hirnalterung - und zwar selbst dann, wenn noch keine manifeste kardiovaskuläre Erkrankung besteht.

Schwächelt das Herz, altert das Gehirn schneller

Die Pumpleistung des Herzens könnte Einfluss auf das Hirnvolumen haben, legen Studiendaten nahe.

© Sebastian Kaulitzki / fotolia.com

Auf eine solche Assoziation von kardialer Funktion und Hirnalterung stießen US-Epidemiologen jetzt bei der Analyse von Daten eines Teilkollektivs der berühmten Framingham-Studie. In dieser klassischen Untersuchung der epidemiologischen Forschung werden seit mehr als 50 Jahren regelmäßig Gesundheitsdaten von Einwohnern der Stadt Framingham im US-Bundesstaat Massachusetts erhoben.

Für die aktuelle Analyse sind Daten von 1504 Studienteilnehmern herangezogen worden. Zwei bei ihnen zuvor gemessene Variablen sind dabei von den Forschern in Beziehung gesetzt worden: Auf der einen Seite der Herzindex als Maß für die kardiale Pumpleistung, der sich aus Herzminutenvolumen und Körperoberfläche errechnet - auf der anderen Seite das per MR-Bildgebung gemessene Gehirnvolumen, das bekanntlich mit zunehmendem Alter abnimmt.

Beobachtet wurde eine signifikante positive Beziehung zwischen Herzindex und Gehirnvolumen, berichten die US-Forscher jetzt in ihrer vom Fachblatt "Circulation" online veröffentlichten Publikation. Überrascht waren sie allerdings von der Tatsache, dass diese Korrelation auch nach Ausschluss von Patienten mit Herz-Kreislauferkrankungen (7 Prozent des Gesamtkollektivs) von der Analyse bestand.

In einer Post-hoc-Analyse waren die Teilnehmer auf Basis des Herzindexes in drei Gruppen (Tertile) eingeteilt und verglichen worden. Referenzkriterium bildete dabei das Gehirnvolumen der Teilnehmer, deren Herzindex im oberen Drittel lag.

Der Vergleich ergab, dass nicht nur Personen mit subnormaler Pumpfunktion (Herzindex im unteren Drittel), sondern auch diejenigen mit einer Pumpleistung im unteren Normbereich (mittleres Drittel) ein geringeres Hirnvolumen hatten als Personen im oberen Drittel. Gemessen am Kriterium Volumen war die Hirnalterung bei ihnen im Vergleich zu Teilnehmern im oberen Drittel bereits um zwei Jahre weiter fortgeschritten, schätzen die Forscher.

Wie stets in epidemiologischen Studien handelt es sich auch bei der beobachteten Beziehung zwischen Herzindex und Gehirnvolumen nur um eine Assoziation, die über die Kausalität nichts aussagt. Unklar bleibt zudem, ob das geringere Hirnvolumen auch mit einer Beeinträchtigung kognitiver Funktionen einhergeht.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »