Ärzte Zeitung online, 13.08.2010

Eisenmangel verschlechtert Prognose bei Herzinsuffizienz

BRESLAU (ob). Besteht bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz zusätzlich ein Eisenmangel, so ist dies - auch unabhängig von einer gleichzeitig bestehenden Anämie - als ein prognostisch ungünstiges Zeichen zu bewerten. Zu diesem Schluss gelangt eine Arbeitsgruppe um Professor Piotr Ponikowski aus Breslau auf Basis einer Follow-up-Untersuchung bei 546 Patienten mit stabiler systolischer Herzinsuffizienz.

Eisenmangel verschlechtert Prognose bei Herzinsuffizienz

Schlechtere Prognose für Patienten mit Herzinsuffizienz und Eisenmangel. Eine Supplementierung könnte helfen, vermuten die Forscher.

© blickwinkel / imago

Alle Studienteilnehmer sind zu Beginn unter anderem auf potenziell bestehenden Eisenmangel untersucht worden. Labordiagnostische Kriterien waren ein Serumferritinwert < 100 μg/l oder ein Serumferritin von 100 - 300 μg/l mit Transferrinsättigung < 20 Prozent. Bei dieser Definition werden sowohl ein absoluter Eisenmangel (Entleerung der Eisenspeicher) als auch ein funktioneller Eisenmangel (gestörter Eisenmetabolismus) erfasst.

Anhand dieser diagnostischen Kriterien stellten die polnischen Forscher bei insgesamt 37 Prozent aller Studienteilnehmer einen Eisenmangel fest. Allerdings war die Prävalenz in den Subgruppen mit und ohne Anämie deutlich unterschiedlich: Patienten mit Herzinsuffizienz und Anämie hatten zu 57 Prozent auch Eisenmangel; doch auch in der Subgruppe ohne Anämie-Befund war die Prävalenz des Eisenmangels mit immerhin 32 Prozent nicht gerade niedrig.

Die Nachbeobachtung erstreckte sich im Schnitt über zwei Jahre. In dieser Zeit waren 153 Todesfälle (28 Prozent) und 30 Herztransplantationen (6 Prozent) zu verzeichnen. Unabhängig von anderen prognostisch relevanten Faktoren einschließlich Anämie erwies sich ein bestehender Eisenmangel in Bezug auf diese Ereignisse als prädiktiv für eine ungünstige Prognose, berichten die Studienautoren in der August-Ausgabe des "European Heart Journal". Sie vermuten deshalb, dass eine therapeutische Eisen-Supplementierung bei Patienten mit Herzinsuffizienz und Eisenmangel von prognostisch günstiger Wirkung sein könnte.

Das Durchschnittsalter der Studienteilnehmer war mit 55 Jahren für Patienten mit Herzinsuffizienz vergleichsweise niedrig. In der Praxis ist Herzinssuffizienz in der Regel eine Erkrankung von älteren oder betagten multimorbiden Patienten. Sehr wahrscheinlich, so die Autoren, sei die Prävalenz des Eisenmangels deshalb in der Studie eher noch unterschätzt worden.

Nach ihrer Ansicht betreffen die ungünstigen Auswirkungen des Eisenmangels nicht allein die Erythropoese, sondern auch viele Aspekte des Zellstoffwechsels, darunter den oxidativen Metabolismus, den zellulären Energiehaushalt und zelluläre Immunmechanismen.

Bei Herzinsuffizienz können Malabsorption ebenso wie gastrointestinale Blutverluste zu Eisenmangel führen. Bei dieser Erkrankung kommt es zur Aktivierung proinflammatorischer Zytokine, die die intestinale Resorption von Eisen hemmen und eine Verschiebung von Eisen aus der Zirkulation in das retikuloendotheliale System begünstigen. Ein Schlüsselfaktor scheint dabei das in der Leber gebildete Peptid Hepcidin sein. Es vermindert die Eisenaufnahme im Darm und fördert die Eisenspeicherung im retikuloendothelialen System - mit der Konsequenz, dass die Verfügbarkeit von Eisen für Zielgewebe und -organe reduziert wird.

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