Ärzte Zeitung online, 09.12.2010

ICD-Therapie - auch bei alten Patienten lebensrettend?

ROM (ob). Profitieren auch alte Patienten mit Herzinsuffizienz von der Primärprävention des plötzlichen Herztodes mit implantierbaren Defibrillatoren (ICD)? Noch erlaubt die derzeitige Studienlage keine definitive Antwort, konstatieren die Autoren einer neuen Metaanalyse (Ann Intern Med 2010; 153: 592).

ICD-Therapie - auch bei alten Patienten lebensrettend?

Profitieren ältere Menschen mit Herzinsuffizienz von implantierbaren Defibrillatoren? Die Studienlage ist nicht eindeutig.

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Eine Verbesserung der Lebenserwartung durch eine primärprophylaktische ICD-Therapie bei Patienten mit Herzinsuffizienz auf Basis einer linksventrikulären systolischen Dysfunktion ist in mehreren klinischen Studien dokumentiert worden. In keiner dieser Studien ging es speziell um die Frage, ob und in welchem Maße das Alter der Patienten Einfluss auf die erreichte Verbesserung der Lebenserwartung hatte. Eine Post-hoc-Analyse der MADIT-II-Studie kam zu dem Ergebnis, dass kein signifikanter Unterschied im Nutzen der ICD-Therapie bei Patienten im Alter unter oder über 75 Jahre bestanden hatte.

Eine Arbeitsgruppe um Dr. Pasquale Santangeli aus Rom hat unter dieser Fragestellung jetzt in einer umfangreicheren Metaanalyse alle relevanten publizierten Studien unter die Lupe genommen. Dazu wurden die Daten von insgesamt 5783 Patienten mit schwerer linksventrikulärer Dysfunktion herangezogen, die an fünf Studien (MADIT-II, DEFINITE, DINAMIT, SCD-HeFT und IRIS) beteiligt waren.

Der Anteil "älterer" Patienten betrug 44 Prozent, wobei diese je nach Studie entweder älter als 60 oder 65 Jahre waren.

Von der primären Analyse blieben zwei Studien (DINAMIT, IRIS), in denen der ICD schon in der Frühphase nach Myokardinfarkt implantiert worden war, ausgeschlossen. Ergebnis war, dass die Mortalität in der Subgruppe der jüngeren Patienten durch die ICD-Therapie signifikant um 35 Prozent reduziert worden war.

Bei den "älteren" Patienten war der Effekt schwächer und statistisch nicht signifikant: In dieser Altersgruppe war die Sterberate relativ um 19 Prozent gesenkt worden. Der Einschluss der beiden zuvor nicht berücksichtigten Studien in die Auswertung änderte am grundsätzlichen Ergebnis nichts.

Aus dieser Metaanalyse sollte sicher nicht der Schluss gezogen werden, künftig bei älteren Patienten auf die ICD-Therapie zu verzichten - zumal die definierte Grenze zum höheren Alter mit 60 bis 65 Jahren doch recht niedrig war.

Die Ergebnisse machen aber die Notwendigkeit deutlich, sich in Studien mehr Klarheit über den Nutzen der ICD-Therapie speziell bei Patienten in den höheren Altersklassen zu verschaffen. Immerhin war in einer jüngst publizierten Studie bei fast 28 000 Patienten mit Herzinsuffizienz, die in einer Klinik ein Gerät zur ICD- und/oder CRT-Therapie implantiert bekamen, fast jeder Fünfte (17,5 Prozent) 80 Jahre und älter.

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