Ärzte Zeitung online, 10.02.2011

Herzinsuffizienz: Implantierter Drucksensor in der Lungenarterie optimiert die Therapie

Durch einen winzigen Drucksensor, der nach Implantation in die Lungenarterie den pulmonalarteriellen Druck misst und übermittelt, sowie durch eine daran ausgerichtete Therapiesteuerung kann die Zahl der Klinikeinweisungen infolge Herzinsuffizienz um nahezu 40 Prozent verringert werden.

Herzinsuffizienz: Implantierter Drucksensor in der Lungenarterie optimiert die Therapie

Gute Nachricht für Patienten mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz: Ein neuer Drucksensor hilft bei Therapie-Optimierung.

© Sebastian Kaulitzki / fotolia.com

COLUMBUS (ob). Ein neuartiges Frühwarnsystem für Patienten mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz hat in der CHAMPION-Studie seine Bewährungsprobe bestanden.

Das System besteht aus einem Drucksensor der US-Firma CardioMems, der nicht größer als eine Büroklammer ist. Das per Herzkatheter in die Pulmonalarterie eingesetzte Mini-Implantat misst kontinuierlich den Druck in diesem Gefäß.

Es sendet die Daten unter Nutzung der Radiofrequenztechnik an ein externes Lesegerät, einen kleinen Rechner, von dem aus die Werte dann an den Arzt übermittelt werden. Von diesem Gerät bezieht der Sensor zudem drahtlos seinen Strom, was eine Batterie überflüssig macht.

Anhand einer Erhöhung der PA-Druckwerte kann der behandelnde Arzt eine Verschlechterung der Herzfunktion schon Tage oder Wochen vor dem Auftreten klinischer Probleme wie Lungenstauung erkennen und entsprechen frühzeitig mit Therapieanpassungen reagieren.

Üblicherweise orientiert sich die symptomatische Therapie bei Herzinsuffizienz an klinischen Parametern wie Körpergewicht, Luftnot und Ödembildung. Ob die Rechnung, durch Nutzung der PA-Druckwerte zur Therapiesteuerung noch bessere Behandlungsergebnisse zu erzielen, tatsächlich aufgeht, ist in der CHAMPION-Studie gestestet worden.

Die Studie, deren vorläufige Ergebnisse schon im Juni 2010 beim europäischen Herzinsuffizienz-Kongress in Berlin vorgestellt worden sind, ist jetzt publiziert worden (Lancet online). Für die Studie sind 550 Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz im NYHA-Stadium III, die im Jahr zuvor mindestens einmal wegen Herzinsuffizienz in der Klinik waren, rekrutiert worden.

Bei allen Teilnehmern wurde der Drucksensor implantiert, der dann aber in der Kontrollgruppe nicht zur Messung genutzt wurde.

Die Studienhypothese, dass sich die Therapie anhand des PA-Drucks effektiver steuern lässt als anhand klinischer Parameter, wurde bestätigt. Das primäre Maß für die Effektivität bildete die Rate der durch Herzinsuffizienz bedingten Klinikeinweisungen nach sechs Monaten.

In dieser Zeit waren im Kontrollarm 120 und im Studienarm mit PA-Druckmessung 83 Klinikeinweisungen wegen dekompensierter Herzinsuffizienz zu verzeichnen. Das entspricht einer signifikanten relativen Reduktion um 30 Prozent.

Die Gesamtdauer der Nachbeobachtung war allerdings länger als sechs Monate, im Mittel waren es 15 Monate. In diesem Zeitraum drifteten die Kurven für die Ereignisraten kontinuierlich auseinander. Nach zwölf Monaten lag die Zahl der Klinikeinweisungen infolge Herzinsuffizienz bei 153 (PA-Druckmessung) und 253 (Kontrollgruppe). Dieser Unterschied entspricht einer Reduktion um 38 Prozent durch die PA-Druckwert-gesteuerte Behandlungsstrategie.

Im Falle einer Klinikeinweisung war die Dauer des stationären Aufenthalts in der Gruppe mit Sensor-Überwachung signifikant kürzer (2,2 versus 3,8 Tage). Auch die Analyse der Daten zur Lebensqualität ergab einen Vorteil zugunsten dieser Gruppe.

Die Tatsache, dass Änderungen der medikamentösen Therapie in der Gruppe mit aktiver Überwachung signifikant häufiger waren (im Mittel 9,1 versus 3,8 pro Patient), spricht dafür, dass die Ärzte die erhaltenen Messwerte auch wirklich nutzten.

Insgesamt waren nur acht katheter- oder implantatassoziierte Komplikationen zu beobachten, die sich gleichmäßig auf beide Gruppen verteilten.

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