Ärzte Zeitung online, 08.03.2011

Akute Herzinsuffizienz: Diurese-Strategien auf dem Prüfstand

Für die Wirksamkeit eines Schleifendiuretikums bei akut dekompensierter Herzinsuffizienz ist die Applikationsform - Bolusgabe versus Dauerinfusion - wohl eher von untergeordneter Bedeutung. Mit Blick auf die Dosierung scheint eine "Hochdosis"-Strategie von gewissem Vorteile zu sein.

Akute Herzinsuffizienz - Diurese-Strategien erstmals auf dem Prüfstand

Schwaches Herz: Neue Studiendaten bringen die Art die Diuretika-Gabe auf den Prüfstand

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DURHAM (ob). Die akut dekompensierte Herzinsuffizienz ist eine der häufigsten Ursachen für die stationäre Aufnahme von älteren Patienten. Seit gut fünf Jahrzehnten werden diese Patienten zur hämodynamischen Stabilisierung und Ödemausschwemmung vornehmlich mit Schleifendiuretika wie Furosemid behandelt.

So unverzichtbar diese symptomatische Therapie erscheint, so dürftig ist die Studienlage, die Aufschluss über Art ihrer Anwendung geben könnte.

In der Frage, in welcher Form - Bolus oder kontinuierliche Fusion - und in welcher Dosierung Furosemid in dieser klinischen Situation am besten appliziert werden sollte, herrscht mangels verlässlicher Studiendaten noch immer große Unsicherheit.

Angesichts dieser unbefriedigenden Situation hat eine US-Forschergruppe um Professor Michael Felker aus Durham in einer DOSE (Diuretic Optimization Strategies Evaluation in Acute Heart Failure) getauften prospektiven Doppelblindstudie nach Antworten gesucht.

Die vor knapp einem Jahr beim ACC-Kongress in Atlanta erstmals vorgestellte Studie ist jetzt im "New England Journal of Medicine" publiziert worden (NEJM 2011; online).

Insgesamt 308 Patienten mit Symptomen einer akut dekompensierten Herzinsuffizienz sind in die Studie aufgenommen worden. Ihre Furosemid-Dosis unter vorheriger oraler Therapie betrug zu Studienbeginn im Mittel 131 mg.

Eine spezielles Studiendesign machte es möglich, gleichzeitig unterschiedliche Formern der Applikation - Bolusinjektion alle zwölf Stunden versus Dauerinfusion - sowie zwei verschiedene Dosierungen - "niedrige" (äquivalent zur vorherigen oralen Dosis) versus "hohe" Dosis (das 2,5-fache der vorherigen oralen Dosis) - zu vergleichen.

Aus der Wahl der Applikationsform - Bolus oder Dauerinfusion - resultierten keine relevanten Unterschiede im klinischen Befinden der Patienten.

Innerhalb der ersten 72 Stunden besserten sich die Symptome, insbesondere Dyspnoe, Wassereinlagerung und Gewicht, tendenziell stärker unter der intensivierten Therapie mit "hoher" Furosemid-Dosis, zudem waren mehr Patienten symptomfrei und ihre NT-proBNP-Spiegel gingen stärker zurück.

Diese Vorteile der diuretischen "Hochdosis"-Therapie gingen entgegen den Befürchtungen nicht mit einer Verschlechterung der Nierenfunktion, einer Progression der Herzinsuffizienz oder einer erhöhten Mortalität einher.

Zwar wurden Anstiege der Kreatininspiegel bei dieser Therapie häufiger beobachte, diese waren aber in der Regel nur vorübergehend und nicht mit einer Zunahme klinischer Ereignisse in den ersten 60 Tagen assoziiert.

Die tendenziellen Vorteile der "Hochdosis"-Strategie ergaben sich allerdings allesamt aus der Analyse von sekundären Studienendpunkten. Primärer Endpunkt war die globale Beurteilung der Symptomverbesserung durch die Patienten in den ersten 72 Stunden.

Gemessen an diesem Kriterium waren weder bei der Applikationsform noch bei der Dosierung Vorteile zugunsten der einen oder anderen Diurese-Strategie festzustellen.

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