Ärzte Zeitung online, 11.05.2011

Röntgenthorax bei Herzinsuffizienz: Auch die Knochen im Blick haben!

Röntgenthorax-Aufnahmen von Patienten mit Herzinsuffizienz verraten mehr als nur Veränderungen an Herz und Lunge. Herzspezialisten sollten dabei immer auch einen genauen Blick auf die knöcherne Wirbelsäule werfen.

EDMONTON (ob). Diese Empfehlung richtet eine kanadische Arbeitsgruppe um Dr. Kristin Lyons aus Edmonton jetzt an alle Kollegen, die mit solchen Patienten zu tun haben. Gute Gründe dafür liefern ihnen Ergebnisse einer eigenen Studie (circheartfailure 2011, online).

Danach haben Patienten mit Herzinsuffizienz nämlich ein erhöhtes Risiko für osteoporotisch bedingte Kompressionsfrakturen an den Wirbelkörpern. Diese sind initial häufig asymptomatisch. Ihre frühzeitige Entdeckung böte die Möglichkeit, durch adäquate Behandlung chronischen Schmerzen, Deformitäten und noch gravierenderen Frakturen etwa an der Hüfte vorzubeugen.

In ihre Studie hat die Forschergruppe um Lyons 623 in einer Spezialklinik behandelte Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz (Durchschnittsalter knapp 70 Jahre) aufgenommen. Die von erfahrenen Radiologen vorgenommene Befundung der Röntgenthorax-Bilder ergab, dass 77 Patienten (12 Prozent) mittelschwere bis schwere Wirbelkörperfrakturen hatte.

Bei jedem Zweiten (55 Prozent) waren bereits multiple Frakturen nachweisbar. Allerdings erhielten nur 15 Prozent aller Patienten mit vertebralen Brüchen auch eine Osteoporose-Behandlung.

Den Untersuchern fiel auf, dass insbesondere Patienten mit Herzinsuffizienz und zusätzlich bestehendem Vorhofflimmern (38 Prozent des Kollektivs) ein hohes Frakturrisiko hatten. Im Vergleich zu Patienten ohne entsprechende Arrhythmie war ihr Risiko doppelt so hoch.

Die Autoren vermuten, dass unter anderem ein erhöhter Aldosteronspiegel (Hyperaldosteronismus) das pathophysiologische Bindeglied zwischen chronischer Herzinsuffizienz, osteoporotischen Frakturen und Vorhofflimmern sein könnte.

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