Ärzte Zeitung online, 16.08.2011

Sterberisiko bei Herzschwäche: Auswurffraktion macht den Unterschied

Eine Herzinsuffizienz entwickeln häufig auch Patienten mit normaler Auswurffraktion. Immer wieder ist zu hören, dass ihre Prognose ähnlich schlecht sei wie die von Patienten mit erniedrigter Auswurffraktion. Eine neue Metaanalyse korrigiert diese Einschätzung.

Sterberisiko bei Herzschwäche: Auswurffraktion macht den Unterschied

Röntgen-Thorax bei Herzinsuffizienz: Bei "diastolischer" Herzinsuffizienz ist das relative Sterberisiko höher.

© Strödter

AUCKLAND (ob). Herzinsuffizienz ist lange Zeit primär als eine Störung der kontraktilen Ventrikelfunktion wahrgenommen worden. Dementsprechend wurde es zur Gewohnheit, die Auswurffraktion als Parameter zur Messung der linksventrikulären Funktion, zur Beurteilung der Prognose und als Selektionskriterium für Therapien zu nutzen.

Bei fast jedem zweiten Patienten mit Symptomen einer Herzinsuffizienz finden sich allerdings keine eindeutigen Hinweise auf eine gestörte systolische Funktion in Form einer erniedrigten Auswurffraktion.

Häufig wird dann von "diastolischer Herzinsuffizienz" gesprochen, deren Nachweis allerdings an definierte - darunter auch per Bildgebung wie Echokardiografie zu dokumentierende - Kriterien gebunden ist.

"Diastolische" Herzschwäche häufiger bei Älteren

Im Unterschied zur systolischen Dysfunktion, bei der die kontraktilen Myofilamente nicht in der Lage sind, sich gegen eine Last ausreichend zu verkürzen, kehren sie bei diastolischer Dysfunktion nicht rasch genug oder nur inkomplett auf ihre Ausgangslänge zurück.

Aufgrund der gestörten Relaxation kann sich der linke Ventrikel vor der nächsten Kontraktion nicht ausreichend mit Blut füllen.

Die Charakteristika von Patienten mit erhaltener und erniedrigter Auswurffraktion unterscheiden sich. Eine "diastolische" Herzinsuffizienz ist häufiger bei älteren Patienten, bei Frauen sowie in Assoziation mit Bluthochdruck zu beobachten.

Immer wieder betonen Experten, dass die Mortalität bei Herzinsuffizienz mit erhaltener systolischer Funktion ähnlich hoch sei wie bei Herzschwäche mit systolischer Dysfunktion. Die Daten einiger - wenn auch längst nicht aller - Patientenregister scheinen dies zu bestätigen.

Individuelle Daten von fast 42.000 Patienten analysiert

Um angesichts kontroverser Ergebnisse Klarheit zu schaffen, hat eine Arbeitsgruppe um Dr. Robert Neil Doughty aus Auckland, Neuseeland, die vorliegenden wissenschaftlichen Daten in eine Metaanalyse (MAGGIC, Meta-analysis Global Group in Chronic Heart Failure) einbezogen (Eur Heart J 2011: online).

Ihre Grundlage bilden die individuellen Daten von 41.972 Patienten mit Herzinsuffizienz, die an 31 klinischen Studien oder Registern beteiligt waren.

Bei 10.347 Patienten - also rund einem Viertel - war die linksventrikuläre Auswurffraktion noch normal (höher als 50 Prozent), bei 31.625 Patienten dagegen erniedrigt.

Im Vergleich zu Patienten mit eingeschränkter systolischer Funktion waren Patienten mit normaler Auswurffraktion im Schnitt älter (71 versus 66 Jahre) und häufiger Frauen (50 versus 28 Prozent). Sie hatten zudem häufiger eine Hypertonie (51 versus 41 Prozent) und seltener eine ischämische Grunderkrankung (43 versus 59 Prozent)

Prognose besser bei normaler Auswurfraktion

Bei erhaltener systolischer Funktion war die Prognose der Patienten deutlich besser als bei gestörter Pumpfunktion. In der Subgruppe mit normaler Auswurffraktion betrug die jährliche Mortalitätsrate 12,1 Prozent, in der Subgruppe mit erniedrigter Auswurffraktion lag sie bei 14,1 Prozent.

Nach statistischer Berücksichtigung von Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht, Ätiologie oder Hypertonie hatten Patienten mit erhaltener Auswurffraktion ein signifikant um 32 Prozent niedrigeres relatives Sterberisiko als Patienten mit eingeschränkter systolischer Ventrikelfunktion.

Absolut betrachtet ist die Mortalität von Patienten mit Herzinsuffizienz und normaler Auswurffraktion aber dennoch hoch - starb doch etwa jeder Achte von ihnen innerhalb eines Jahres.

Leider mangelt es bei ihnen, anders als bei Patienten mit Herzinsuffizienz und niedriger Auswurffraktion, nach wie vor an therapeutischen Optionen, die nachweislich die Mortalität reduzieren können.

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