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Ärzte Zeitung, 27.03.2012

Gute Ergebnisse mit Aortenklappenersatz via Katheter

Ein kathetergestützter Aortenklappenersatz hat sich in einer Studie bei betagten und multimorbiden Patienten als extrem sicher erwiesen. Die Klappenfunktion verbesserte sich deutlich - und nur selten gab es Komplikationen.

Von Dirk Einecke

Gute Ergebnisse mit Aortenklappenersatz via Katheter

Die kathetergängige CoreValve Revalving-Herzklappe entfaltet sich.

© Medtronic GmbH

CHICAGO. Eine 30-Tage-Mortalität von 4,5% sowie eine 6-Monate-Mortalität von 13% bei gebrechlichen, sehr alten und inoperablen Patienten - dies ist die Bilanz einer neuen großen prospektiven TAVI-Studie.

"Die ADVANCE-Studie untersuchte Alltagspatienten aus der täglichen Praxis, um besser zu verstehen, wie die Prognose der typischen Patienten ist, die einer perkutanen Aortenklappen-Implantation unterzogen werden", erläuterte Studienautor Professor Axel Linke, Universität Leipzig, bei der Jahrestagung des American College of Cardiology (ACC) in Chicago.

1015 Hochrisiko-Patienten mit schwerer Aortenstenose im Durchschnittsalter von 81 Jahren wurden in 44 Zentren aus 12 Ländern in die Studie eingeschlossen.

Die Patienten galten entweder als nicht operabel oder als Hochrisiko-Kandidaten für eine Operation. Eingesetzt wurde ausschließlich das CoreValve-System. Voraussetzung für teilnehmende Kliniken war, dass sie bereits mindestens 40 TAVI-Eingriffe vorgenommen hatten.

30-Tage-Mortalität beträgt 4,5%

Insgesamt zeigten die Studienergebnisse eine rasche und signifikante Verbesserung der Klappenfunktion und der Beschwerdesymptomatik bei niedriger Komplikationsrate. Letztere wurde nach den Standards des "Valve Academic Research Consortium's (VARC)" erfasst.

Primärer Endpunkt waren schwere kardiale und zerebrovaskuläre Komplikationen (MACCE, Tod, Schlaganfall, Herzinfarkt, Notfallchirurgie, perkutane Re-Intervention).

Nach 30 Tagen hatten 8,3% solche Komplikationen erlitten. 4,5% der Patienten starben, 2,2% davon aus kardialer Ursache. 2,9% der Patienten erlitten einen Schlaganfall. Bei 4% der Patienten wurden sehr schwere Blutungen notiert.

Angesichts des betagten und multimorbiden Patientenkollektives erwies sich das Verfahren somit als "extrem sicher", erklärte Linke.

Nur bei einem einzigen per Katheter behandelten Patienten musste der Chirurg zur Hilfe gerufen werden. 98% der Eingriffe waren erfolgreich. Gleichzeitig zeigten die Patienten innerhalb von 30 Tagen eine dramatische klinische Verbesserung, so Linke.

Erfolge auch an sechs kanadischen Zentren

Dr. Josep Rodés-Cabau vom Quebec Heart & Lung Institute berichtete bei der Kardiologen-Tagung in Chicago anschließend über erste Langzeitdaten einer Studie mit 339 nicht-operablen TAVI-Patienten, die in sechs kanadischen Zentren behandelt worden waren.

Im Vergleich zur vorberichteten Studie waren diese Patienten früher behandelt worden, nämlich in den Jahren 2005 und 2009.

Bei der Hälfte dieser Patienten war die Klappe transfemoral, bei der anderen Hälfte transapikal in Position gebracht worden. Am häufigsten war das Edwards SAPIEN-System implantiert worden (n = 275).

Auch in dieser Studie hatten sich die Klappeneingriffe meist als erfolgreich erwiesen, lediglich bei zwei Patienten musste erneut interveniert werden. Die implantierten Klappen funktionierten langfristig gut, wenngleich leichte Aorteninsuffizienzen zwar häufig, aber stabil waren.

Auffallend war allerdings die hohe Mortalität: Mit 10,4% war die 30-Tage-Mortalität gut doppelt so hoch wie in der ADVANCE-Studie. Nach drei Jahren waren 43% der Patienten verstorben.

Todesursache meist nicht-kardial

Diese alarmierend hohe Rate ließ die Autoren die Todesursache näher untersuchen. Es stellte sich heraus, dass nur 26,4% der Todesfälle eine kardiale Ursache hatten.

Bei 67,3% konnten eindeutig nicht-kardiale Ursachen identifiziert werden, am häufigsten COPD, chronische Nierenerkrankungen und Altersschwäche.

Die Autoren ziehen aus den neuen Studiendaten die Schlussfolgerung, dass es sich bei TAVI-Patienten um eine sehr multimorbide Patientengruppe handelt und empfehlen eine interdisziplinäre Betreuung, um die nicht-kardiale Mortalität dieser Patienten zu reduzieren.

Quelle: www.springermedizin.de

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