Ärzte Zeitung, 01.09.2004

Bei Älteren mit Vorhofflimmern ist stets eine TSH-Kontrolle angesagt

Subklinische Hyperthyreose kann Rhythmus-Störung induzieren

MÜNCHEN (wst). Bei Menschen über 50 Jahre mit subklinischer Hyperthyreose ist die Inzidenz von Vorhofflimmern dreimal so häufig wie bei euthyreoten Altersgenossen. Deshalb sollte bei neu aufgetretenem Vorhofflimmern immer der TSH-Wert bestimmt werden.

Selbst wenn die Serumspiegel von freiem T4 und T3 noch normal sind, ist jeder TSH-Wert unter 0,1 mU/l bei Vorhofflimmern eine klare Indikation zur antihyperthyreotischen Therapie. Das hat Professor Albert Burger von der Universität Genf betont. Eine interventionelle Kardioversion sollte erst erwogen werden, wenn die Schilddrüsentherapie gegriffen hat und Patienten wieder euthyreot sind. Burger bevorzugt hierzu eine Radiojodtherapie aber auch eine Operation oder Thyreostatika sind möglich.

Bei den meisten Patienten mit Hyperthyreose-induziertem Vorhofflimmern, auch bei jenen im fortgeschrittenen Alter, hört das Flimmern spontan wieder auf, wenn sie euthyreot sind. Betroffene müßten aber vorübergehend Antikoagulantien bekommen, um Thrombosen vorzubeugen, so Burger auf dem von der Merck KGaA unterstützten 2. Münchener Schilddrüsensymposium.

Im Gegensatz zur Hyperthyreose scheint eine Hypothyreose eher vor Rhythmusstörungen zu schützen, sagte Burger. So gibt es experimentelle Befunde, wonach Myokard bei Hypothyreose durch Katecholamine weniger leicht aus dem Takt gebracht werden kann als bei Eu- oder gar Hyperthyreose. Und es ist bekannt, daß bei hypothyreoten Patienten unter einer Thyroxin-Substitution die Häufigkeit ventrikulärer Extrasystolen zunehmen kann. Deshalb sollte gerade bei Älteren eine Thyroxin-Substitution behutsam begonnen werden.

Trotz des potentiell Arrhythmie-fördernden Effekts sollte man aber bei Hypothyreose nicht auf eine Substitution verzichten. Denn bei Hypothyreose ist die Herzleistung vermindert, und die Unterfunktion fördert auf längere Sicht die Atherosklerose.

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