Forschung und Praxis, 22.05.2006

Nach kardiochirurgischem Eingriff stabilisierte Atorvastatin den Herzrhythmus

Im Spektrum der möglichen protektiven Effekte von Statinen ist wieder eine neue Facette aufgetaucht. In einer prospektiven Studie gelang es römischen Kardiologen nun erstmals, durch Vorbehandlung mit Atorvastatin den Anteil der Patienten, die nach kardiochirurgischen Eingriffen ein Vorhofflimmern entwickelten, signifikant zu senken.

Seltener Vorhofflimmern mit Atorvastatin
Endpunkt Atorvastatin Placebo p- Wert
postoperatives Vorhofflimmern in der Klinik (Inzidenz)
35 %
57 %
0,003
Klinikaufenthalt (Tage)
6,3
6,9
0,001
Quelle: Di Sciascio, Tabelle: Forschung und Praxis / Ärzte Zeitung
Ergebnisse der italienischen ARMYDA-3-Studie bei 200 KHK-Patienten mit koronarer Bypass-Operation.

Postoperatives Vorhofflimmern ist eine häufige Komplikation nach koronarer Bypass- oder Herzklappen-Operation. Mit dem Ziel, dieser Komplikation vorzubeugen, haben Dr. Germano Di Sciascio und seine Mitarbeiter an der Universität Rom 200 KHK-Patienten sieben Tage vor einer geplanten Bypass-Operation und 30 Tage danach mit Atorvastatin (40 mg/Tag) oder Placebo behandelt.

Primäres Wirksamkeitskriterium war das Auftreten von postoperativem Vorhofflimmern (länger als fünf Minuten anhaltend) während des Klinikaufenthalts, wobei die Patienten kontinuierlich elektrokardiographisch überwacht wurden.

Durch Behandlung mit Atorvastatin konnte die Inzidenz des Vorhofflimmerns signifikant von 57 Prozent (Placebo) auf 35 Prozent gesenkt werden. Die Reduktion hatte Auswirkungen auf die Klinikverweildauer, die sich ebenfalls signifikant von im Schnitt 6,9 Tagen (Placebo) auf 6,3 Tage (Atorvastatin) verkürzte, berichtete Di Sciasio.

Nach seiner Ansicht könnte die Erklärung für den Arrhythmie-prophylaktischen Effekt in der antiinflammatorischen Wirkung von Atorvastatin liegen. Wie nämlich regelmäßige postoperative Messungen des Entzündungsmarkers CRP (C-reaktives Protein) ergaben, war bei Patienten, die Vorhofflimmern entwickelten, der Grad der entzündlichen Aktivität höher als bei Patienten ohne entsprechende Arrhythmie.

Diese Ergebnisse spiegeln allerdings zunächst nur die in einer kleinen Studie an einer einzelnen Klinik gemachten Erfahrungen wider. Bevor Atorvastatin generell für die perioperative Behandlung bei herzchirurgischen Eingriffen empfohlen werden kann, bedürfe es noch größerer multizentrischer Studien, betonte Di Sciasio. (ob)

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