Ärzte Zeitung, 12.09.2008

Bald neue Therapie bei Vorhofflimmern?

Weniger Todesfälle und kardiovaskuläre Hospitalisierungen mit Dronedaron

MÜNCHEN (kat). Patienten mit Vorhofflimmern und weiteren Risikofaktoren haben ein hohes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse, vor allem Schlaganfälle. Mit dem in der Zulassung befindlichen Multikanalblocker Dronedaron könnte sich die Art, wie diese Herzrhythmusstörung behandelt wird, bald ändern, prophezeiten Experten bei einer Pressekonferenz zum europäischen Kardiologenkongress.

Vorhofflimmern geht bekanntlich mit einem erhöhten Schlaganfallrisiko einher. Dennoch war bisher nicht belegt worden, dass der Einsatz eines Pharmakons zur Rhythmuskontrolle die Schlaganfallinzidenz reduzieren kann. Zum Zeitpunkt des Studiendesigns von ATHENA war daher die Schlaganfallrate auch nicht als Studienendpunkt gewählt worden, wie Professor Stuart Connolly Hamilton aus Kanada sagte.

In der ATHENA*-Studie fiel dieses Ergebnis daher erst bei einer post-hoc-Analyse des vorher nicht definierten sekundären Endpunktes auf, in der man die Teilaspekte der signifikanten Risikoreduktion des primären Endpunktes aufschlüsseln wollte. In der randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten ATHENA-Studie waren 4628 Patienten mit Vorhofflimmern sowie Risikofaktoren zur Standardtherapie mit täglich zweimal 400 mg Dronedaron behandelt worden. Risikofaktoren waren Alter über 75 Jahre oder jünger, dann aber mit Hypertonie, Diabetes, Schlaganfall oder transitorischer ischämischer Attacke, einer über 55 mm langen LAD-Stenose oder einer linksventrikulären Auswurffraktion von maximal 40 Prozent.

Die Rate der kardiovaskulär bedingten Krankenhauseinweisungen und die Gesamtsterberate wurden im Vergleich zu Placebo um signifikante 24 Prozent reduziert. Pro-arrhythmische Effekte gab es ebenso wenig wie eine Zunahme der Hospitalisierungen wegen kongestiver Herzinsuffizienz. Die Therapie wurde gut vertragen. Als unerwünschte Reaktionen wurden gastrointestinale Beschwerden, Hautreaktionen und ein Anstieg des Kreatininwertes im Blut registriert, was kein Hinweis auf eine Nierenfunktionsstörung ist, wie Connolly betonte. Bei diesen moderat bis stark Schlaganfall-gefährdeten und gut antikoagulierten Patienten ergab die Post-hoc-Analyse eine Risikoreduktion um signifikante 34 Prozent für Hirninfarkte. Besonders profitierten stark gefährdete Patienten.

*ATHENA: A placebo-controlled, double-blind, parallel arm Trial to assess the efficacy of dronedarone 400 mg bid for the prevention of cardiovascular Hospitalizations or death from any cause in patiENts with Atrial fibrillation/atrial flutter

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Hypertonie in jungen Jahren erhöht Risiko für den Nachwuchs

Das Alter, in dem sich ein Bluthochdruck manifestiert, beeinflusst nicht nur die persönliche Prognose eines Patienten, sondern wohl auch das Erkrankungsrisiko seiner Kinder. mehr »

Medienanamese künftig Bestandteil der U-Untersuchungen?

Schon bei Babys und Kleinkindern machen sich die Folgen übermäßigen Medienkonsums bemerkbar. Das geht aus der neuen BLIKK-Studie hervor. Pädiater reagieren besorgt. mehr »

Deutsche überschätzen Ebola-Gefahr und unterschätzen Masern

Im Mittelpunkt medialer Berichterstattung stehen meist große globale Bedrohungen wie Ebola und Zika. Doch Experten haben ganz andere übertragbare Erkrankungen im Visier. mehr »