Ärzte Zeitung, 08.09.2010

Vernakalant ermöglicht rasche Konversion von Vorhofflimmern

Vernakalant ermöglicht rasche Konversion von Vorhofflimmern

Mit Vernakalant ist nach langer Zeit wieder ein innovatives Antiarrhythmikum für die Behandlung von Patienten mit Vorhofflimmern zugelassen worden.

Vernakalant ermöglicht rasche Konversion von Vorhofflimmern

Messung des Pulses bei einem Patienten - die klassische Methode der Herzschlagkontrolle.

© Blue-Fox / fotolia.de

Von Peter Overbeck

STOCKHOLM. Die intravenöse Darreichungsform des Wirkstoffs Vernakalant (Warenzeichen: Brinavess®) hat jetzt, wie schon kurz berichtet, in der EU die Zulassung für die Behandlung von Patienten mit seit kurzem bestehendem Vorhofflimmern erhalten. Indiziert ist die Substanz zur raschen Wiederherstellung eines Sinusrhythmus bei Erwachsenen, die innerhalb der letzten sieben Tage Vorhofflimmern entwickelt haben. Sie kann auch zur Konversion bei Patienten mit postoperativem Vorhofflimmern nach einer Herzoperation eingesetzt werden.

Die Zulassung stützt sich auf Ergebnisse von vier klinischen Studien, darunter drei randomisierte placebokontrollierte Studien und ein direkter Vergleich mit Amiodaron. Beteiligt an diesen Studien waren Patienten mit symptomatischem Vorhofflimmern von relativ kurzer Dauer (wenige Stunden bis maximal sieben Tage), bei denen eine rasche Konversion wünschenswert erschien.

Maßstab für die antiarrhythmische Wirksamkeit von Vernakalant in den placebokontrollierten Studien bildete der Anteil der Patienten, bei denen innerhalb von 90 Minuten nach Therapiebeginn eine Konversion in den Sinusrhythmus stattgefunden hatte. Mit jeweils rund 50 Prozent war dieser Anteil in der Vernakalant-Gruppe signifikant höher als in der Placebo-Gruppe, in der das Vorhofflimmern bei nicht einmal 5 Prozent aller Patienten in dieser kurzen Zeit aufhörte.

In der AVRO-Studie ist Vernakalant im direkten Vergleich mit Amiodaron geprüft worden. Insgesamt 232 Patienten, darunter viele mit struktureller Herzerkrankung, sind randomisiert einer intravenösen Therapie mit Vernakalant oder Amiodaron zugeteilt worden. Ergebnisse hat der Londoner Arrhythmie-Experte Professor John Camm jüngst auf einer vom Unternehmen MSD initiierten Pressekonferenz beim Europäischen Kardiologenkongress in Stockholm vorgestellt.

Auch in dieser Studie war die Konversionsrate nach 90 Minuten das primäre Erfolgskriterium. Wie Camm berichtete, stellte sich mit Vernakalant bis zu diesem Zeitpunkt bei 51.7 Prozent aller Patienten wieder ein Sinusrhythmus ein. In der Amiodaron-Gruppe war die entsprechende Erfolgsquote mit nur 5,2 Prozent signifikant niedriger.

Derzeit befindet sich auch eine orale Formulierung von Vernakalant in der klinischen Entwicklung. Die Substanz unterscheidet sich in ihrer Wirkweise von anderen Antiarrhythmika. Außer Natrium-Kanälen blockiert sie insbesondere bestimmte Kalium-Kanäle, wobei der Wirkstoff eine gewisse Selektivität für atriale Ionenkanäle zu besitzen scheint. Einen Vorteil von Vernakalant in der künftigen antiarrhythmischen Therapie sieht Camm unter anderem darin, dass bei dieser medikamentösen Konversion von Vorhofflimmern auf die bei Elektrokardioversion notwendige Sedierung und Anästhesie verzichtet werden kann.

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