Ärzte Zeitung online, 01.11.2010

INR-Selbstmessung: für Patienten wesentliche Vorteile

DURHAM (ob). Patienten unter oraler Antikoagulation, die ihre Gerinnungswerte regelmäßig selbst messen, haben davon wesentliche Vorteile. Auf die Häufigkeit von Komplikationen hat die häusliche Kontrolle nach Daten einer aktuellen veröffentlichten Studie aber anscheinend keine Auswirkung.

INR-Selbstmessung: für Patienten wesentliche Vorteile

Selbstmessung des Quickwerts: Gegenüber der klinischen Kontrolle hat sie offenbar keine Nachteile.

© Radu Razvan / fotolia.com

Patienten, die ihre INR-Werte wöchentlich selbst messen und gegebenenfalls bei Abweichungen die Medikation selbst anpassen, sind mit dieser Form des Gerinnungsmanagement meist sehr zufrieden. Als Gründe werden Sicherheit, Unabhängigkeit, Eigenverantwortung und geringere Belastung durch Arztbesuche genannt. All dies schlägt sich in einer höheren Lebensqualität nieder.

Wirken sich diese Vorteile auch positiv auf die Häufigkeit von klinischen Ereignissen aus? Den Test hat eine US-Forschergruppe um Dr. David B. Matchar aus Durham in einer großen Studie mit 2922 beteiligten Patienten gemacht, die alle wegen künstlicher Herzklappen oder Vorhofflimmern eine Antikoagulation mit Vitamin-K-Antagonisten erhielten (NEJM online).

Während eine Hälfte der Teilnehmer nach entsprechender Unterweisung ihre INR-Werte wöchentlich selbst zuhause kontrollierte, wurde die Gerinnungseinstellung bei der anderen Hälfte alle vier Wochen in hochqualifizierten Spezialambulanzen von Kliniken vorgenommen.

Die Dauer der Nachbeobachtung betrug bis zu 4,75 Jahre. In dieser Zeit ergab sich bei der Rate klinischer Komplikationen (Schlaganfall, schwere Blutungen, Tod) kein signifikanter Unterschied zwischen beiden Gruppen (19 versus 20 Prozent).

Beim Endpunkt "Zeit im therapeutischen Bereich" war die Gruppe mit INR-Selbstmessung dagegen leicht, aber signifikant im Vorteil. Und auch bei der Befragung zur Zufriedenheit mit der Antikoagulation und zur Lebensqualität gab es signifikante Unterschiede zugunsten der Gruppe mit eigenverantwortlicher INR-Kontrolle.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
INR-Selbstmessung hat nicht enttäuscht

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