Ärzte Zeitung online, 27.04.2011

Vorhofflimmern bei Herzinfarkt: Gefährlicher als bisher angenommen

ROCHESTER (ob). Vorhofflimmern in der Akutphase eines Herzinfarktes wird in der Regel nicht als besonders gefährliche Komplikation wahrgenommen. Diese Sichtweise muss aber möglicherweise korrigiert werden.

Vorhofflimmern bei Herzinfarkt - gefährlicher als bisher angenommen

Vorhofflimmern: In der akuten Phase eines Herzinfarks erhöht es das Mortalitätsrisiko deutlich.

© imagebroker / sauer / imago

Denn nach Ergebnissen einer neuen Studienübersicht und Metaanalyse ist Vorhofflimmern bei Patienten mit akutem Myokardinfarkt mit einer signifikant erhöhten Sterberate assoziiert. Das Mortalitätrisiko steigt demnach um mindestens 40 Prozent.

Vorhofflimmern könne somit nicht länger als eine wenig beachtenswerte Komplikation abgetan werden, folgert eine Forschergruppe um Dr. Patricia Jabre von der Mayo-Klinik in Rochester (Circulation 2011; 123: 1587-1593).

Zur prognostischen Bedeutung von Vorhofflimmern bei akutem Myokardinfarkt gab es bisher angesichts widersprüchlicher Ergebnisse einzelner Studien noch keine klares Vorstellung. Für die Gruppe um Jabre war dies der Grund, die Daten aller relevanten Studien, die Informationen über den Einfluss eines bei Herzinfarkt bestehenden Vorhofflimmerns auf die Mortalität beisteuern können, in eine Metaanalyse einfließen zu lassen.

Dieser Analyse liegen 43 Studien (randomisierte kontrollierte Studien wie auch Beobachtungsstudien und Fall-Kontroll-Studien) mit insgesamt 278.854 Teilnehmern zugrunde.

Im Vergleich zu Infarktpatienten im Sinusrhythmus war Vorhofflimmern bei Herzinfarkt mit einer relativ um 46 Prozent höheren Mortalität assoziiert - unabhängig davon, ob die Arrhythmie bereits vor dem Infarktereignis bestanden hatte oder in der Akutphase neu aufgetreten war.

Wurden nur die Daten jener Patienten berücksichtigt, bei denen vor dem Infarkt kein Vorhofflimmern bekannt war, ergab sich bei neu aufgetretener Arrhythmie ein um 37 Prozent höheres Sterberisiko.

Unklar bleibe aber, ob Vorhofflimmern eine Infarktkomplikation oder nur ein Indikator für den Schweregrad des akuten Myokardinfarktes ist, so die Studienautoren. Gleichwohl stützen die Ergebnisse der Metaanalyse nach ihrer Ansicht die Empfehlung, Infarktpatienten mit Vorhofflimmern unter besonders sorgfältige Überwachung zu stellen.

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