Ärzte Zeitung online, 26.05.2011

Ablation bei Vorhofflimmern: Wird der Erfolg überschätzt?

Mit der Ablationstherapie gelingt es, viele Patienten mit medikamentös refraktärem Vorhofflimmern von ihren Beschwerden zu befreien. Das Verschwinden der Symptome ist allerdings ein sehr schlechter Indikator für die Eliminierung der zugrunde liegenden Arrhythmie.

SAN FRANCISCO (ob). Den meisten symptomatischen Patienten mit Vorhofflimmern geht es nach einer Katheterablation deutlich besser.

Die verspürte Beseitigung der Symptome steht aber anscheinend in einem Missverhältnis zu dem, was sich am Herzen wirklich abspielt: Schaut man nur gründlich genug nach, lassen sich nach "erfolgreicher" Ablation in nicht geringem Maße weiterhin asymptomatische Arrhythmie-Episoden objektivieren.

Sehr gründlich nachgeschaut hat eine Gruppe kanadischer Kardiologen um Dr. Atul Verma aus Newmarket. In ihrer Studie haben die Forscher bei 50 symptomatischen Patienten mit therapierefraktärem Vorhofflimmern (zu 80 Prozent paroxysmal) drei Monate vor einer Ablationstherapie spezielle EKG-Aufzeichnungsgeräte ("Loop Recorder") implantiert, die dann für die Dauer von 18 Monaten nach Ablation alle Arrhythmie-Ereignisse erfassten.

Gleichzeitig wurden alle Patienten aufgefordert, symptomatische Arrhythmie-Episoden in einem Tagebuch zu dokumentieren. Die Ergebnisse der Studie sind jüngst beim Kongress der Heart Rhythm Society in San Francisco vorgestellt worden.

Die zeitlich bemessene Gesamtbelastung durch Vorhofflimmern ("Afib burden") wurde durch die Katheterablation (Pulmonalvenenisolation) drastisch um 86 Prozent reduziert.

Auffällig war allerdings ein deutlicher Anstieg des Anteils asymptomatischer Arrhythmie-Episoden nach der Behandlung. Vor der Ablation waren 52 Prozent aller registrierten Episoden asymptomatisch und 48 Prozent symptomatisch (Verhältnis: 1,1).

Nach der Ablation gab es eine deutliche Verschiebung: Jetzt lag der Anteil asymptomatischer Episoden bei knapp 79 Prozent, der von symptomatischen Ereignissen nur noch bei rund 20 Prozent (Verhältnis 3,7).

Gemessen am Kriterium Symptome hatten 58 Prozent aller Patienten nach der Ablationsbehandlung kein Vorhofflimmern mehr. Diese Erfolgsquote schmolz allerdings auf nur noch 46 Prozent, wenn die objektiveren Recorder-Messungen zur Beurteilung der Rezidivfreiheit herangezogen wurden. Aus dieser Differenz folgt: Rund 12 Prozent aller Patienten hatten ausschließlich asymptomatische Vorhofflimmer-Rezidive.

Zwischen Tagebuch- und Recorder-Aufzeichnungen bestand eine erhebliche Diskrepanz: Nur bei 47 Prozent aller von den Patienten notierten Vorhofflimmer-Attacken fanden sich auch in den Recorder-Aufzeichnungen den Symptomen zuzuordnende Arrhythmien. Mehr als die Hälfte aller verspürten Ereignisse waren dagegen mit keiner durch EKG-Aufzeichnung objektivierbaren Arrhythmie assoziiert.

Wer sich auf die Symptome verlässt, unterschätzt also ganz offensichtlich die wahre, mehrheitlich durch asymptomatische Ereignisse gekennzeichnete "Arrhythmie-Last", nach Katheterablation.

Symptomfreiheit bedeutet nicht automatisch Arrhythmiefreiheit. Symptome sind somit keine gute Richtschnur bei der Entscheidung darüber, ob eine potenziell lebensrettende Behandlung wie die Antikoagulation abgesetzt werden kann.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. Offenbar fällt es aber schon Kindern schwer, ihre Bewegungsmuster zu ändern. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethische Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »